FSP-Fälle

Fall: Pulmonale Tuberkulose

Diagnose: Verdacht auf offene pulmonale Tuberkulose

Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 35 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 54 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.

Teil 1: Anamnesegespräch

Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.

Personalien

Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Ambulanz. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inKristin Obelt.
Kristin Obelt
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/inAm 30. Juli 1990.
geb. 30.07.1990, 34 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,74 m. Zurzeit 61 Kilo — normalerweise 65.
1,74 m, 61 kg (BMI 20,1 kg/m²), zuvor 65 kg — Gewichtsabnahme 4 kg
Wenn der Patient das frühere Gewicht spontan nennt, greifen Sie zu: Die Differenz ist ein verwertbarer Befund und gehört in die Vorstellung.

Aktuelle Anamnese

Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch huste seit gut zwei Monaten und werde nicht gesund. Und seit zwei Tagen ist Blut im Auswurf.
Aufnahmegrund: chronischer Husten seit ca. 8 Wochen, seit 2 d Hämoptyse
Husten über acht Wochen plus Bluthusten — bei dieser Kombination muss die Tuberkulose als Erstes im Kopf sein. Und mit ihr die Frage nach Isolation.
Ärztin/ArztKommt beim Husten etwas hoch?
Patient/inAnfangs zäher gelblicher Schleim. Jetzt ist er blutig durchsetzt.
zunächst purulentes Sputum, aktuell blutig tingiert
Ärztin/ArztWie viel Blut ist es — Streifen im Schleim oder mehr?
Patient/inStreifen. Nicht viel, aber ich habe mich sehr erschrocken.
Hämoptyse in geringem Ausmaß (Blutstreifen)
Die Menge des Blutes bestimmt die Dringlichkeit. Fragen Sie immer nach — eine massive Hämoptoe ist ein Notfall.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber?
Patient/inSeit einer Woche, abends. So 38,5.
subfebrile bis febrile Temperaturen bis 38,5 °C, abendbetont, seit 1 Woche
Der abendliche Fieberanstieg ist bei der Tuberkulose typisch. Halten Sie den Tagesverlauf fest, nicht nur den Wert.
Ärztin/ArztSchwitzen Sie nachts?
Patient/inJa, sehr. Ich muss das T-Shirt wechseln.
Nachtschweiß mit Durchnässung
Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust — sagen Sie in der Vorstellung ausdrücklich B-Symptomatik. Bei der Tuberkulose gehört sie zum Bild.
Ärztin/ArztHaben Sie eine Lymphknotenschwellung bemerkt?
Patient/inIn der linken Achsel ist etwas dick, ja.
Lymphadenopathie axillär links
Ärztin/ArztBekommen Sie schlecht Luft, oder haben Sie Schmerzen beim Atmen?
Patient/inBeim Treppensteigen etwas. Schmerzen nicht.
leichte Belastungsdyspnoe, kein atemabhängiger Schmerz
Ärztin/ArztWaren Sie in letzter Zeit im Ausland?
Patient/inJa, ich bin Reiseleiterin. Vor zwei Monaten war ich sechs Wochen in Südasien, mit viel Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.
Reiseanamnese: 6 Wochen Südasien vor 2 Monaten, enger Bevölkerungskontakt
Die Reiseanamnese ist bei diesem Fall die entscheidende Frage. Ohne sie fehlt der ganze Zusammenhang — fragen Sie bei jedem Infekt danach.
Ärztin/ArztHatten Sie dort oder hier Kontakt zu jemandem mit Husten oder einer bekannten Tuberkulose?
Patient/inBewusst nicht. Aber ich war viel in Gruppen und in Bussen unterwegs.
kein bekannter Indexfall, jedoch enger Gruppenkontakt
Ärztin/ArztHaben Sie etwas dagegen eingenommen?
Patient/inNein, gar nichts. Ich dachte, es geht vorbei.
keine Vorbehandlung
Ärztin/ArztIst bei Ihnen jemals eine Immunschwäche festgestellt worden, oder wurden Sie auf HIV getestet?
Patient/inNein und nein.
keine bekannte Immunsuppression, kein HIV-Test
Bei Tuberkuloseverdacht gehört die HIV-Frage dazu — sachlich und begründet. Die Koinfektion ist häufig und ändert Verlauf und Therapie.
Patient/inIst das ansteckend? Ich arbeite doch mit Reisegruppen.
Ärztin/ArztDas ist genau die richtige Frage. Wenn sich der Verdacht auf eine Tuberkulose bestätigt und Sie Erreger aushusten, wäre es ansteckend — deshalb bringen wir Sie jetzt in ein Einzelzimmer und bitten Sie, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, bis wir mehr wissen. Wir untersuchen dafür Ihren Auswurf. Und wenn es sich bestätigt, informieren wir das Gesundheitsamt, das sich um die Untersuchung Ihrer Kontaktpersonen kümmert. Das klingt nach viel — aber es schützt Sie und andere.
Isolation und Meldepflicht offen ansprechen, statt sie zu verschweigen. Die Kommission achtet darauf, dass Sie den Schutz anderer mitdenken und es dem Patienten trotzdem zumutbar erklären.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: Patientenvorstellung

Vorstellung der Patientin

Ich stelle Ihnen Frau Kristin Obelt vor, eine 34-jährige Patientin, 1,74 m groß und 61 kg schwer, bei einem BMI von 20,1 kg/m². Sie stellte sich heute in unserer Ambulanz vor. Vorab: Die Patientin wurde bereits in einem Einzelzimmer isoliert.

Wenn Sie eine Schutzmaßnahme schon getroffen haben, sagen Sie das zu Beginn. Das zeigt, dass Sie den Fall nicht nur diagnostisch, sondern auch praktisch verstanden haben.

In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.

Teil 3: Prüferfragen

Welcher Erreger verursacht die Tuberkulose?
Mycobacterium tuberculosis, zusammengefasst als Mycobacterium-tuberculosis-Komplex mit M. bovis, M. africanum und weiteren. Es handelt sich um ein aerobes, unbewegliches Stäbchen mit einer wachsreichen Zellwand, weshalb es säurefest ist und sich in der Ziehl-Neelsen-Färbung rot darstellt. Es wächst sehr langsam — die Kultur braucht bis zu acht Wochen.
Säurefest und langsam wachsend sind die beiden Eigenschaften, aus denen sich Diagnostik und Therapiedauer erklären. Nennen Sie beide.
Wie wird die Tuberkulose übertragen?
Durch aerogene Tröpfchenkerninfektion: Beim Husten, Niesen und Sprechen werden feinste Partikel freigesetzt, die lange in der Luft schweben und bis in die Alveolen gelangen. Ansteckend sind nur Patienten mit offener Lungentuberkulose, also mit Erregern im Auswurf. Das Risiko hängt von der Dauer und Enge des Kontakts ab; besonders gefährdet sind Immunsupprimierte, Kinder und alte Menschen. Eine geschlossene Tuberkulose und extrapulmonale Formen sind in der Regel nicht ansteckend.
Der Unterschied offen gegen geschlossen ist der Kern. Er entscheidet über Isolation und Umgebungsuntersuchung.
Wie verläuft eine Tuberkulose?
Nach der Infektion entsteht die Primärtuberkulose mit dem Ghon-Herd in der Lunge und der begleitenden Lymphknotenbeteiligung, zusammen der Primärkomplex. Bei intakter Abwehr wird der Herd abgekapselt und verkalkt; die Erreger können jedoch überleben — das ist die latente Tuberkuloseinfektion, die nicht ansteckend ist und keine Beschwerden macht. Bei geschwächter Abwehr kommt es zur Reaktivierung als postprimäre Tuberkulose, typischerweise in den Oberlappen, mit Kavernenbildung. Bei hämatogener Streuung entstehen die Miliartuberkulose und extrapulmonale Formen.
Der Weg latente Infektion — Reaktivierung erklärt, warum Immunsuppression so wichtig ist. Erzählen Sie ihn als Verlauf.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):

Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall

DeutschFachspracheBereich
TuberkuloseTuberculosisDiagnose
SchwindsuchtPhthiseDiagnose
Erreger der TuberkuloseMycobacterium tuberculosisDiagnose
säurefeste Stäbchensäurefeste StäbchenBefund
Hohlraum im LungengewebeKaverneBefund
hirsekornartige StreuungMiliartuberkuloseDiagnose
ruhende, nicht ansteckende Infektionlatente Tuberkuloseinfektion (LTBI)Diagnose
HalslymphknotentuberkuloseSkrofuloseDiagnose
WirbelsäulentuberkuloseSpondylodiszitis, Pott-KrankheitDiagnose
LungenspitzeApex pulmonisAnatomie
LungenoberlappenLobus superior pulmonisAnatomie
LungenbläschenAlveoleAnatomie
LungenwurzelHilus pulmonisAnatomie
AchselhöhleAxillaAnatomie
SehnervNervus opticusAnatomie
HustenTussisSymptom
AuswurfSputum, ExpektorationSymptom
BluthustenHämoptyseSymptom
FieberPyrexie, FebrisSymptom
leicht erhöhte TemperatursubfebrilBefund
Nachtschweißnächtliche HyperhidrosisSymptom
Fieber, Nachtschweiß und GewichtsverlustB-SymptomatikBefund
AppetitlosigkeitInappetenzSymptom
AbgeschlagenheitFatigue, AdynamieSymptom
LymphknotenschwellungLymphadenopathieBefund
AtemnotDyspnoeSymptom
Färbung zum Nachweis säurefester StäbchenZiehl-Neelsen-FärbungUntersuchung
Anzucht des ErregersKulturUntersuchung
Vervielfältigung von Erbmaterial zum ErregernachweisNukleinsäureamplifikationstest (PCR)Untersuchung
Bluttest auf TuberkulosekontaktInterferon-Gamma-Test (IGRA)Untersuchung
TuberkulinhauttestMendel-Mantoux-TestUntersuchung
VerhärtungIndurationBefund
LungenspiegelungBronchoskopieUntersuchung
Spülung der Lungenbläschenbronchoalveoläre Lavage (BAL)Untersuchung
Röntgenaufnahme des BrustkorbsRöntgen-ThoraxUntersuchung
AbsonderungIsolationTherapie
Mittel gegen TuberkuloseTuberkulostatikumPharmakologie
Vitamin B6PyridoxinPharmakologie
lebertoxischhepatotoxischPharmakologie
nierentoxischnephrotoxischPharmakologie
gehörschädigendototoxischPharmakologie
Entzündung des SehnervsOptikusneuritisDiagnose
Unempfindlichkeit gegen ein MedikamentResistenzBefund
Mittel gegen die EmpfängnisKontrazeptivumPharmakologie
Verstärkung des Arzneimittelabbaus in der LeberEnzyminduktionPharmakologie
Untersuchung der KontaktpersonenUmgebungsuntersuchungTherapie
Zeit zwischen Ansteckung und NachweisbarkeitPräpatenzzeitZeitangabe
Zeit zwischen Ansteckung und ErkrankungInkubationszeitZeitangabe
Meldung an das GesundheitsamtMeldepflichtKommunikation
GesundheitsamtGesundheitsamtKommunikation
InfektionsschutzgesetzIfSGAbkürzung
multiresistente TuberkuloseMDR-TBAbkürzung
SchilddrüsenunterfunktionHypothyreoseDiagnose
Dickdarmentzündung mit GeschwürenColitis ulcerosaDiagnose

FSP Niedersachsen

Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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