Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 34 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 54 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inHartmut Strohmeyer.
Hartmut Strohmeyer
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/in9. Februar 1946.
geb. 09.02.1946, 78 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,78 m, um die 90 Kilo.
1,78 m, 90 kg (BMI 28,4 kg/m²)
Aktuelle Anamnese
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inEine Wunde am rechten Fuß, innen am Knöchel. Die geht seit drei Wochen nicht zu, sondern wird immer größer.
Aufnahmegrund: Ulkus am Malleolus medialis rechts seit 3 Wochen, progredient
Eine Wunde, die drei Wochen nicht heilt, ist bei einem Diabetiker nie banal. Denken Sie ab hier an Durchblutung, Nerven und Infektion.
Ärztin/ArztWie hat das angefangen?
Patient/inIch bin mit dem Fuß im Fahrradpedal hängen geblieben. Erst war das nur eine kleine Schürfung.
Beginn nach Bagatelltrauma (Fahrradpedal), zunächst oberflächliche Läsion
Ein Bagatelltrauma als Auslöser ist typisch: Wegen der Polyneuropathie merkt der Patient die Verletzung kaum und entlastet nicht. Nennen Sie diesen Zusammenhang.
Ärztin/ArztTut die Wunde weh?
Patient/inKaum. Das ist ja das Merkwürdige — ich spüre da fast nichts.
Schmerzarmut der Läsion — Hinweis auf Polyneuropathie
Die Schmerzarmut ist der wichtigste anamnestische Befund des Falls. Sie erklärt, warum der Patient erst nach drei Wochen kommt.
Ärztin/ArztWie sieht die Wunde aus, und kommt etwas heraus?
Patient/inRot drumherum, geschwollen und warm. Es läuft gelber Eiter raus, und es riecht schlecht.
Rubor, Tumor, Calor, purulentes Sekret, Foetor — Zeichen der Wundinfektion
Der üble Geruch spricht für anaerobe Beteiligung. Halten Sie ihn fest — er beeinflusst die Antibiotikawahl.
Ärztin/ArztWaren Sie damit schon beim Arzt?
Patient/inJa, vor einer Woche. Meine Hausärztin hat einen Abstrich gemacht und mir eine Antibiotikasalbe gegeben. Geholfen hat es nicht.
Wundabstrich beim Hausarzt vor 1 Woche, lokale Antibiose ohne Besserung
Immer nach Vorbehandlung fragen und nach dem Abstrichergebnis — es liegt vielleicht schon vor und erspart Ihnen Zeit.
Ärztin/ArztSpüren Sie Ihre Füße gut? Fühlen sie sich manchmal taub oder kribbelig an?
Patient/inBeide Fußsohlen sind pelzig, wie in Watte. Das ist seit Jahren so, schleichend.
Symmetrisch, distal, strumpfförmig — das ist das Muster der diabetischen Polyneuropathie. Beschreiben Sie es genau so.
Ärztin/ArztBekommen Sie beim Gehen Schmerzen in den Waden, sodass Sie stehen bleiben müssen?
Patient/inNein, das nicht. Ich gehe allerdings auch nicht mehr weit.
Claudicatio intermittens verneint, jedoch eingeschränkte Gehstrecke aus anderen Gründen
Vorsicht bei der Interpretation: Ein Diabetiker mit Polyneuropathie spürt die Claudicatio oft nicht. Ein fehlendes Symptom schließt die pAVK hier nicht aus — sagen Sie das der Kommission.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder Schüttelfrost?
Patient/inGestern war mir heiß, gemessen habe ich 38,2.
Fieber bis 38,2 °C
Fieber bei einer Fußwunde bedeutet: Die Infektion ist nicht mehr lokal. Das begründet die stationäre Aufnahme.
Ärztin/ArztWie sind Ihre Blutzuckerwerte in letzter Zeit?
Patient/inHöher als sonst. Morgens um die 200, obwohl ich nichts geändert habe.
Nüchternblutzucker ca. 200 mg/dl — Entgleisung bei unveränderter Therapie
Eine unerklärte Blutzuckerentgleisung ist häufig das erste Zeichen einer Infektion. Diesen Zusammenhang nennen — er wirkt souverän.
Ärztin/ArztWann wurden Ihre Füße zuletzt ärztlich untersucht?
Patient/inDa müsste ich lügen. Zum Fußpfleger gehe ich, aber untersucht hat sie schon lange keiner.
keine regelmäßige Fußinspektion, keine strukturierte Untersuchung dokumentiert
Diese Lücke gehört benannt: Die jährliche Fußuntersuchung ist Teil der Diabetesbetreuung. Daraus folgt später Ihre Empfehlung.
Patient/inMuss der Fuß jetzt ab? Mein Nachbar hat den Zeh verloren, mit Zucker.
Ärztin/ArztDiese Sorge kann ich gut verstehen, und ich nehme sie ernst. Eine Amputation ist heute nicht das erste Mittel, sondern das letzte. Zuerst schauen wir, wie tief die Wunde reicht, ob der Knochen beteiligt ist und wie gut Ihr Fuß durchblutet wird. Dann behandeln wir die Infektion, entlasten den Fuß und verbessern, wenn nötig, die Durchblutung. Sehr viele solcher Wunden heilen damit. Ich kann Ihnen heute keine Garantie geben — aber wir tun alles, um Ihren Fuß zu erhalten.
Die Angst vor der Amputation ist bei diesem Fall fast sicher Thema. Nicht bagatellisieren, nicht garantieren — den Plan erklären und die Reihenfolge betonen.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (4 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (4 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (3 Gesprächszüge)
Familienanamnese (1 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (4 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung des Patienten
Ich stelle Ihnen Herrn Hartmut Strohmeyer vor, einen 78-jährigen Patienten, 1,78 m groß und 90 kg schwer, bei einem BMI von 28,4 kg/m². Er stellte sich heute in unserer Notaufnahme vor.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Was ist das diabetische Fußsyndrom?
Ein Sammelbegriff für alle Fußveränderungen beim Diabetiker, die auf Polyneuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit oder beides zurückgehen und zu Ulzeration, Infektion und Gewebezerstörung führen. Man unterscheidet die neuropathische, die ischämische und die häufigste, gemischte Form. Es ist die häufigste Ursache nicht traumatischer Amputationen in Deutschland.
Der Satz zur Amputationshäufigkeit setzt den Ernst des Falls — und begründet, warum Sie so gründlich vorgehen.
Wie unterscheiden Sie den neuropathischen vom ischämischen Fuß?
Der neuropathische Fuß ist warm, rosig und trocken, die Fußpulse sind tastbar, das Ulkus liegt an Druckstellen wie der Fußsohle unter den Mittelfußköpfchen und ist schmerzlos; die Umgebung zeigt eine Hyperkeratose, die Sensibilität ist herabgesetzt. Der ischämische Fuß ist kalt, blass oder livide, die Pulse fehlen, das Ulkus liegt akral an Zehen und Ferse, ist schmerzhaft und zeigt oft eine Nekrose; hinzu kommt eine verzögerte Rekapillarisierung. Beim gemischten Typ überlagern sich beide, und die Schmerzen fehlen trotz Ischämie — das ist besonders gefährlich.
Diese Gegenüberstellung wird bei diesem Fall fast sicher verlangt. Gehen Sie beide Spalten in derselben Reihenfolge durch: Temperatur, Farbe, Pulse, Ort, Schmerz.
Kennen Sie eine Klassifikation?
Die Wagner-Klassifikation beschreibt die Tiefe der Läsion in sechs Graden: Grad 0 ohne Läsion bei Risikofuß, Grad 1 oberflächliches Ulkus, Grad 2 Ulkus bis zu Sehne oder Kapsel, Grad 3 Ulkus mit Knochenbeteiligung oder Abszess, Grad 4 begrenzte Nekrose an Vorfuß oder Ferse, Grad 5 Nekrose des gesamten Fußes. Ergänzt wird sie durch die Armstrong-Klassifikation, die zusätzlich Infektion und Ischämie in vier Stufen A bis D erfasst — daher die gebräuchliche Kombination als Wagner-Armstrong-Klassifikation.
Wagner beschreibt die Tiefe, Armstrong ergänzt Infektion und Ischämie. Diese Zweiteilung ist die Merkhilfe.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Wie prüfen Sie die Sensibilität am Fuß?
Was ist der Knöchel-Arm-Index?
Wie erkennen Sie eine Osteomyelitis?
Warum ist die Druckentlastung so wichtig?
Warum setzen Sie Metformin ab?
Der Patient spritzt wöchentlich etwas. Was könnte das sein?
Was beachten Sie bei Apixaban vor einem Eingriff?
Was ist ein Charcot-Fuß?
Wann ist eine Amputation nötig, und wie gehen Sie vor?
Was raten Sie dem Patienten zur Fußpflege?
Welche Zielwerte gelten für einen 78-jährigen Patienten?
Wie erklären Sie dem Patienten, warum er die Wunde nicht gespürt hat?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
diabetisches Fußsyndrom
DFS
Diagnose
Zuckerkrankheit
Diabetes mellitus
Diagnose
Nervenschädigung
Polyneuropathie
Diagnose
Schaufensterkrankheit
periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Diagnose
belastungsabhängiger Wadenschmerz mit Gehpause
Claudicatio intermittens
Symptom
Geschwür
Ulkus
Befund
offenes Bein
Ulcus cruris
Diagnose
Gewebsuntergang
Nekrose
Befund
Knochenmarkentzündung
Osteomyelitis
Diagnose
Wundrose
Erysipel
Diagnose
tiefe Weichteilinfektion
Phlegmone
Diagnose
neuropathische Knochen- und Gelenkzerstörung des Fußes
Charcot-Fuß
Diagnose
Netzhautschädigung durch Diabetes
diabetische Retinopathie
Diagnose
Nierenschädigung durch Diabetes
diabetische Nephropathie
Diagnose
Verkalkung der Gefäßmittelschicht
Mediasklerose
Diagnose
Innenknöchel
Malleolus medialis
Anatomie
Fußsohle betreffend
plantar
Anatomie
körperfern gelegen
distal
Anatomie
die Endglieder betreffend
akral
Anatomie
Oberschenkelarterie
Arteria femoralis
Anatomie
Fußrückenarterie
Arteria dorsalis pedis
Anatomie
hintere Schienbeinarterie
Arteria tibialis posterior
Anatomie
Kniekehlenarterie
Arteria poplitea
Anatomie
Gefühlsminderung
Hypästhesie
Symptom
Kribbeln, Missempfindung
Parästhesie
Symptom
verstärkte Hornhautbildung
Hyperkeratose
Befund
übler Geruch
Foetor
Befund
eitrig
purulent
Befund
nächtliches Wasserlassen
Nykturie
Symptom
vermehrter Durst
Polydipsie
Symptom
vermehrte Urinmenge
Polyurie
Symptom
Überzuckerung
Hyperglykämie
Diagnose
Unterzuckerung
Hypoglykämie
Diagnose
Übersäuerung durch Milchsäure
Laktatazidose
Diagnose
Langzeit-Blutzuckerwert
HbA1c
Befund
Knöchel-Arm-Index
ABI
Untersuchung
Prüfung des Berührungsempfindens
Monofilament-Test
Untersuchung
Prüfung des Vibrationsempfindens
Stimmgabeltest nach Rydel-Seiffer
Untersuchung
Ultraschall mit Flussmessung
Duplexsonographie
Untersuchung
Gefäßdarstellung
Angiographie
Untersuchung
Wundabstrich
Wundabstrich
Untersuchung
Entfernung von abgestorbenem Gewebe
Débridement
Therapie
Wiederherstellung der Durchblutung
Revaskularisation
Therapie
Gefäßaufdehnung mit dem Ballon
Angioplastie (PTA)
Therapie
Umgehungsgefäß
Bypass
Therapie
Ausschälen der Gefäßinnenwand
Thrombendarteriektomie (TEA)
Therapie
Gliedmaßenabtrennung
Amputation
Therapie
Druckentlastung
Entlastung
Therapie
Gips mit vollflächigem Kontakt
Vollkontaktgips
Therapie
medizinische Fußpflege
Podologie
Therapie
Vorhofflimmern
Fibrillatio atriorum
Diagnose
Hemmstoff des Gerinnungsfaktors Xa
Faktor-Xa-Hemmer
Pharmakologie
Wirkstoffgruppe zur Blutzuckersenkung mit Sättigungseffekt
GLP-1-Rezeptoragonist
Pharmakologie
Gegenmittel
Antidot
Pharmakologie
FSP Niedersachsen
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.