Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 22 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 11 Prüferfragen und 22 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier auf der Station. Wie heißen Sie bitte?
Patient/inMelanie Becker.
Melanie Becker
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren? Größe und Gewicht?
Patient/in15. März 1994. 1,70 m, 60 Kilo. Das Gewicht ist seit Jahren stabil.
geb. 15.03.1994, 31 Jahre, 1,70 m, 60 kg (BMI 20,8 kg/m²), Gewicht stabil
Ein stabiles Gewicht ist hier ein wichtiger Befund — es spricht gegen eine organische Ursache.
Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch habe seit über zwei Jahren immer wieder Bauchschmerzen und Durchfall. Mal ist es besser, mal schlimmer.
rezidivierende Abdominalgien und Diarrhö seit über 2 Jahren, wechselnder Verlauf
Die lange Dauer bei gleichbleibendem Allgemeinzustand ist typisch. Eine organische Erkrankung würde meist fortschreiten.
Ärztin/ArztWo genau sind die Schmerzen, und wie fühlen sie sich an?
Patient/inIm Unterbauch, mal links, mal rechts. Krampfartig.
Ärztin/ArztWerden die Schmerzen nach dem Stuhlgang besser?
Patient/inJa, deutlich. Danach ist meist Ruhe für ein paar Stunden.
Besserung nach Defäkation
Diese Frage ist zentral — die Besserung nach dem Stuhlgang ist ein Kernkriterium der Rom-Definition.
Ärztin/ArztHat sich mit Beginn der Schmerzen die Häufigkeit oder die Beschaffenheit des Stuhls verändert?
Patient/inJa, an schlechten Tagen muss ich fünf-, sechsmal, ganz weich bis wässrig. An anderen Tagen ist es normal.
an Beschwerdetagen 5–6 Stühle/d, weich bis wässrig; dazwischen normale Stuhlgewohnheiten
Häufigkeit und Konsistenz gehören beide erfragt — sie definieren den Subtyp des Reizdarmsyndroms.
Ärztin/ArztFühlen Sie sich aufgebläht?
Patient/inStändig. Abends passt die Hose oft nicht mehr.
ausgeprägter Meteorismus mit abendlicher Zunahme
Ärztin/ArztIch muss Sie jetzt nach Warnzeichen fragen: Hatten Sie Blut im Stuhl? Ungewollt abgenommen? Fieber? Nächtlichen Durchfall, der Sie aufweckt?
Patient/inNein, nichts davon. Nachts habe ich nie Beschwerden, da schlafe ich durch.
keine Alarmsymptome: kein Blut im Stuhl, kein Gewichtsverlust, kein Fieber, keine nächtlichen Beschwerden
Das Fehlen nächtlicher Symptome ist ein starkes Argument gegen eine organische Erkrankung. Immer gezielt fragen.
Ärztin/ArztHängen die Beschwerden mit bestimmten Nahrungsmitteln zusammen?
Patient/inNach Milch und nach Zwiebeln wird es schlimmer, glaube ich. Ganz sicher bin ich mir aber nicht.
vermutete Verschlechterung nach Milchprodukten und Zwiebeln
Nahrungsmittelbezug erfragen — er lenkt auf Laktoseintoleranz und auf die FODMAP-armen Ernährung als Therapieoption.
Ärztin/ArztGibt es Situationen, in denen es besonders schlimm ist?
Patient/inVor Prüfungen und wenn ich Stress im Job habe. Im Urlaub habe ich fast nie Beschwerden.
deutliche Stressabhängigkeit, Beschwerdefreiheit im Urlaub
Beschwerdefreiheit im Urlaub ist ein sehr aussagekräftiger Hinweis und gehört ausdrücklich in die Vorstellung.
Ärztin/ArztHatten Sie vor Beginn der Beschwerden einen Magen-Darm-Infekt?
Patient/inJa, tatsächlich — vor gut zwei Jahren hatte ich eine schlimme Magen-Darm-Grippe nach einer Reise. Danach ging es eigentlich los.
Beginn nach infektiöser Gastroenteritis vor 2 Jahren — V. a. postinfektiöses Reizdarmsyndrom
Diese Frage lohnt sich immer. Etwa jedes zehnte Reizdarmsyndrom beginnt nach einer Darminfektion.
Patient/inMein früherer Arzt hat gesagt, ich hätte nichts und es sei psychisch. Bilde ich mir das ein?
Ärztin/ArztNein, ganz sicher nicht. Ihre Beschwerden sind real. Beim Reizdarmsyndrom findet man zwar in den Untersuchungen keine Schäden, aber Darm und Nervensystem arbeiten nicht richtig zusammen — der Darm reagiert überempfindlich und bewegt sich unregelmäßig. Stress verstärkt das, verursacht es aber nicht. Es ist eine echte Erkrankung, und sie lässt sich behandeln.
Diese Frage kommt bei diesem Krankheitsbild fast immer. Die Beschwerden als real anerkennen ist der wichtigste Satz.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (2 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (1 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (1 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (1 Gesprächszüge)
Familienanamnese (1 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (1 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Melanie Becker vor, eine 31-jährige Patientin, 1,70 m groß und 60 kg schwer, bei einem BMI von 20,8 kg/m² und seit Jahren stabilem Gewicht.
Das stabile Gewicht gleich im ersten Satz — es ist hier ein diagnostisch bedeutsamer Befund.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Wie ist das Reizdarmsyndrom definiert?
Nach den Rom-IV-Kriterien: rezidivierende Bauchschmerzen an mindestens einem Tag pro Woche in den letzten drei Monaten, mit Beginn der Symptome vor mindestens sechs Monaten, verbunden mit mindestens zwei der folgenden drei Merkmale — Zusammenhang mit der Defäkation, Änderung der Stuhlfrequenz oder Änderung der Stuhlkonsistenz. Zusätzlich fordert die deutsche Leitlinie einen relevanten Leidensdruck und den Ausschluss anderer Ursachen.
Die drei Kriterien und die Zeiträume müssen genau sitzen — sie sind der Kern jeder Prüfungsfrage dazu.
Welche Subtypen kennen Sie?
Eingeteilt nach der vorherrschenden Stuhlform anhand der Bristol-Stuhlformenskala: den diarrhödominanten Typ, den obstipationsdominanten Typ, den Mischtyp und den unklassifizierten Typ. Die Einteilung bestimmt die symptomorientierte Therapie.
Die Bristol-Skala zu nennen zeigt, dass Sie wissen, wie die Zuordnung praktisch erfolgt.
Welche Alarmsymptome sprechen gegen ein Reizdarmsyndrom?
Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Anämie, nächtliche Beschwerden, die den Patienten wecken, Erstmanifestation jenseits des 45. bis 50. Lebensjahres, eine familiäre Belastung für kolorektales Karzinom oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, tastbare Resistenzen sowie eine kurze und rasch progrediente Anamnese.
Die nächtlichen Beschwerden hervorheben — funktionelle Störungen wecken den Patienten typischerweise nicht.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Was ist das fäkale Calprotectin?
Wie schließen Sie eine Zöliakie aus?
Was ist eine mikroskopische Kolitis?
Was ist eine FODMAP-arme Ernährung?
Was weiß man über die Entstehung?
Warum setzen Sie Antidepressiva ein?
Erklären Sie der Patientin ihre Erkrankung.
Wie ist die Prognose?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Reizdarmsyndrom
Colon irritabile
Diagnose
Stuhlgang
Defäkation
Befund
Dickdarm
Kolon
Anatomie
Dünndarm
Intestinum tenue
Anatomie
Glutenunverträglichkeit
Zöliakie
Diagnose
Rückbildung der Dünndarmzotten
Zottenatrophie
Befund
chronisch-entzündliche Darmerkrankung
CED
Diagnose
Dickdarmentzündung
Colitis
Diagnose
Überempfindlichkeit der Eingeweide
viszerale Hypersensitivität
Befund
Beweglichkeit des Darms
Motilität
Befund
Gesamtheit der Darmbakterien
Mikrobiota
Befund
außerhalb des Darms auftretend
extraintestinal
Befund
schmerzhafte Regelblutung
Dysmenorrhö
Symptom
versprengte Gebärmutterschleimhaut
Endometriose
Diagnose
Entzündungsmarker im Stuhl
Calprotectin
Untersuchung
Atemtest auf Zuckerunverträglichkeit
H2-Atemtest
Untersuchung
bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms
SIBO
Diagnose
Milchzuckerunverträglichkeit
Laktoseintoleranz
Diagnose
durchfallhemmendes Mittel
Antidiarrhoikum
Pharmakologie
Quellstoff aus Flohsamenschalen
Plantago-ovata-Samenschalen
Pharmakologie
Verbindung zwischen Darm und Gehirn
Darm-Hirn-Achse
Befund
gleichzeitig bestehende weitere Erkrankung
Komorbidität
Befund
FSP Trainer: Fachsprachprüfung
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.