Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 34 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 38 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier auf der Station. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inMaria Stettner.
Maria Stettner
Begrüßung, eigener Name, eigene Funktion — in dieser Reihenfolge. Die Kommission achtet darauf, dass Sie sich überhaupt vorstellen.
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/inAm ersten März 1960.
geb. 01.03.1960, 62 Jahre
Name und Geburtsdatum dienen der Identifikation des Patienten — genau so sollten Sie es dem Prüfer auch begründen können.
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/inIch bin 1,67 m groß und wiege 69,5 kg.
1,67 m, 69,5 kg (BMI 24,9 kg/m²)
Den BMI rechnen Sie im Kopf grob mit — er wird in der Vorstellung gern erwartet.
Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWas führt Sie denn zu uns?
Patient/inIch habe ganz schlimme Bauchschmerzen, hier oben. Und mir ist dauernd übel.
Oberbauchschmerzen
Offene Einstiegsfrage. Lassen Sie die Patientin erst frei erzählen, bevor Sie strukturiert nachfragen.
Ärztin/ArztSeit wann haben Sie diese Schmerzen?
Patient/inSeit gestern Abend.
seit gestern Abend
Zeitpunkt immer erfragen — er trennt akut von chronisch und steuert die ganze Differentialdiagnose.
Ärztin/ArztSind die Schmerzen plötzlich aufgetreten oder haben sie langsam angefangen?
Patient/inLangsam, es wurde immer schlimmer.
langsam beginnend, im Verlauf zunehmend
Plötzlich versus langsam: ein perakuter Beginn lenkt auf Perforation, Dissektion oder Kolik.
Ärztin/ArztWie würden Sie den Schmerz beschreiben? Ist er stechend, brennend, drückend?
Patient/inEr kommt in Wellen, wie Krämpfe. Und er ist überall im Oberbauch, nicht an einer Stelle.
kolikartig, wellenförmig, diffus
Schmerzcharakter in den Worten der Patientin aufnehmen und dann in den Fachbegriff übersetzen — kolikartig.
Ärztin/ArztStrahlen die Schmerzen irgendwohin aus, zum Beispiel in den Rücken oder in die Schulter?
Patient/inNein, das nicht.
keine Ausstrahlung
Auch das negative Ergebnis wird dokumentiert. Fehlende Rückenausstrahlung spricht gegen Pankreatitis und Aortendissektion.
Ärztin/ArztGibt es etwas, das die Schmerzen schlimmer oder besser macht?
Patient/inWenn ich mich bewege, wird es schlimmer. Nach dem Erbrechen ist es kurz besser.
Verstärkung durch Bewegung, Linderung nach Erbrechen
Verstärkungs- und Linderungsfaktoren gehören zu jeder Schmerzanamnese.
Ärztin/ArztIst Ihnen etwas aufgefallen, das die Beschwerden ausgelöst haben könnte? Was haben Sie zuletzt gegessen?
Patient/inWir waren gestern eingeladen. Es gab Mettbrötchen und Tiramisu.
Beginn nach Verzehr von Mettbrötchen und Tiramisu (rohes Fleisch, rohes Ei)
Die entscheidende Frage in diesem Fall. Rohes Schweinehack und rohes Ei sind die klassischen Träger — Yersinien beziehungsweise Salmonellen.
Patient/inKönnten die Schmerzen denn vom Essen kommen?
Ärztin/ArztDas halte ich für sehr gut möglich. Rohes Fleisch und rohes Ei können Krankheitserreger enthalten. Ihr Körper wehrt sich dagegen — daher die Beschwerden. Sicher sagen kann ich es Ihnen aber erst nach der Untersuchung.
Patientenfragen ehrlich, aber ohne Festlegung beantworten. Nie eine Diagnose versprechen, die noch nicht gesichert ist.
Ärztin/ArztMussten Sie erbrechen?
Patient/inJa, dreimal. Es war unverdautes Essen, gelblich und schleimig.
Nausea und Vomitus (3 ×), unverdaute Speisereste, gelblich-schleimig
Menge, Häufigkeit und Aussehen des Erbrochenen erfragen. Kaffeesatzartig wäre ein Alarmzeichen für eine obere GI-Blutung.
Ärztin/ArztUnd wie ist der Stuhlgang?
Patient/inSeit heute Morgen habe ich Durchfall. Wässrig und schaumig. Zuerst war er hellrot, jetzt eher dunkelrot.
Diarrhö seit heute Morgen, wässrig-schaumig, blutig (hellrot → dunkelrot) — Hämatochezie
Blut im Stuhl ist das Alarmsymptom dieses Falls und begründet später die stationäre Aufnahme. Unbedingt nachfragen und dokumentieren.
Ärztin/ArztHaben Sie auch Brustschmerzen, Atemnot oder Herzrasen bemerkt?
Patient/inNein, nichts davon.
keine Angina pectoris, keine Dyspnoe, keine Palpitationen
Der Ausschluss kardialer Symptome ist bei Oberbauchschmerz Pflicht — ein Hinterwandinfarkt kann sich genau so zeigen.
Ärztin/ArztIst in Ihrem Umfeld noch jemand erkrankt? Und waren Sie zuletzt verreist?
Patient/inNein, niemand. Verreist war ich auch nicht.
keine Umgebungserkrankungen, keine Reiseanamnese
Umgebungs- und Reiseanamnese gehören bei jeder Diarrhö dazu — sie steuern die Erregersuche und die Meldepflicht.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (5 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (2 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (1 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (2 Gesprächszüge)
Familienanamnese (4 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (2 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Maria Stettner vor, eine 62-jährige Patientin, 1,67 m groß, 69,5 kg schwer, bei einem BMI von 24,9 kg/m². Sie stellte sich heute in unserer Notaufnahme vor.
Ein einziger Einstiegssatz: Name, Alter, Geschlecht, gegebenenfalls Maße. Danach eine Atempause — nicht durchhetzen.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Welche Erreger verursachen am häufigsten eine Gastroenteritis?
Am häufigsten sind Noroviren und Rotaviren. Bakteriell führend sind Campylobacter jejuni, Salmonellen, Yersinien, E. coli (EHEC, ETEC, EIEC) und Shigellen. Parasitär kommen Giardia lamblia und Entamoeba histolytica in Betracht.
Ordnen Sie nach viral, bakteriell, parasitär — das wirkt strukturiert und Sie vergessen nichts.
Warum ist ausgerechnet rohes Schweinehack ein Risiko?
Rohe Lebensmittel werden leicht von Mikroorganismen besiedelt, weil der Erhitzungsschritt fehlt. Rohes Schweinefleisch ist der klassische Übertragungsweg der Yersiniose durch Yersinia enterocolitica. Rohes Ei, hier im Tiramisu, ist typisch für Salmonellen.
Warum sind Salmonellen meldepflichtig?
Weil sie leicht übertragbar sind und Ausbrüche in der Bevölkerung verursachen können. Nach § 7 IfSG ist der direkte oder indirekte Nachweis meldepflichtig, nach § 6 IfSG außerdem der Verdacht und die Erkrankung bei Personen, die im Lebensmittelbereich tätig sind.
Wenn Sie die Paragraphen nicht sicher wissen, nennen Sie nur das Infektionsschutzgesetz — falsche Zahlen sind schlechter als keine.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Wie sieht der Stuhl der Patientin aus und wie nennt man das?
Warum hat die Patientin Fieber?
Wie sieht der Stuhl bei einer Pankreatitis aus?
Der Hb liegt bei 10,6 g/dl. Wie erklären Sie sich das?
MCV, GGT und GOT sind erhöht. Woran denken Sie?
Wonach suchen Sie in der Stuhlprobe?
Erklären Sie der Patientin, wie sie die Stuhlprobe abgibt.
Warum wollen Sie eine Koloskopie und warum ein Röntgen-Thorax?
Was sind Probiotika, was Präbiotika?
Was ist Maaloxan und was Baldrian?
Was ist Methadon und wozu dient ein Methadonprogramm?
Warum nehmen Sie diese Patientin stationär auf?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Übelkeit
Nausea
Symptom
Erbrechen
Vomitus, Emesis
Symptom
Durchfall
Diarrhö
Symptom
Verstopfung
Obstipation
Symptom
Blut im Stuhl (frisch, hellrot)
Hämatochezie
Befund
Teerstuhl
Meläna
Befund
Fettstuhl
Steatorrhö
Befund
entfärbter Stuhl
acholischer Stuhl
Befund
Appetitlosigkeit
Inappetenz, Anorexie
Symptom
Bauchschmerz
Abdominalgie
Symptom
Oberbauch
Epigastrium
Anatomie
Kopfschmerz
Cephalgie
Symptom
Atemnot
Dyspnoe
Symptom
Herzrasen, Herzstolpern
Palpitationen
Symptom
Brustenge, Herzschmerz
Angina pectoris
Symptom
Husten
Tussis
Symptom
Schlaflosigkeit
Insomnie
Symptom
Müdigkeit, Erschöpfung
Fatigue
Symptom
Magenverstimmung, Reizmagen
Dyspepsie
Diagnose
Magengeschwür
Ulcus ventriculi
Diagnose
Magenschleimhautentzündung
Gastritis
Diagnose
Bauchspeicheldrüsenentzündung
Pankreatitis
Diagnose
Magen-Darm-Entzündung
Gastroenteritis
Diagnose
Herzinfarkt
Myokardinfarkt
Diagnose
Brustkrebs
Mammakarzinom
Diagnose
Dickdarmkrebs
kolorektales Karzinom
Diagnose
Austrocknung
Exsikkose, Dehydratation
Befund
Wechseljahre
Menopause, Klimakterium
Befund
Magenspiegelung
Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD)
Untersuchung
Darmspiegelung
Koloskopie
Untersuchung
Tastuntersuchung des Enddarms
digital-rektale Untersuchung (DRU)
Untersuchung
Mittel gegen Übelkeit
Antiemetikum
Pharmakologie
fiebersenkendes Mittel
Antipyretikum
Pharmakologie
Schmerzmittel
Analgetikum
Pharmakologie
säurebindendes Mittel
Antazidum
Pharmakologie
Gefäßstütze
Stent
Therapie
Saugglockengeburt
Vakuumextraktion
Untersuchung
Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust
B-Symptomatik
Befund
FSP Trainer: Fachsprachprüfung
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.