FSP-Fälle

Fall: Hyperglykämische Entgleisung

Diagnose: Hyperglykämische Stoffwechselentgleisung bei Erstmanifestation eines Diabetes mellitus Typ 2

Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 20 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 12 Prüferfragen und 26 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.

Teil 1: Anamnesegespräch

Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.

Personalien

Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?
Patient/inLara Croft.
Lara Croft
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren? Größe und Gewicht?
Patient/in12. Dezember 1972. 1,64 m und 92 Kilo. Ich habe aber in den letzten Wochen abgenommen, vorher waren es 98.
geb. 12.12.1972, 52 Jahre, 1,64 m, 92 kg (BMI 34,2 kg/m², Adipositas Grad I) — Gewichtsverlust 6 kg in wenigen Wochen
Adipositas plus ungewollter Gewichtsverlust ist bei der Diabetesmanifestation typisch. Beides zusammen nennen.

Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inMir ist seit Tagen schlecht, ich bin ganz schwach und schrecklich müde. Und ich habe dauernd Durst.
Nausea, Adynamie, Fatigue und starker Durst seit mehreren Tagen
Ärztin/ArztWie viel trinken Sie am Tag? Und wie oft müssen Sie zur Toilette?
Patient/inVier, fünf Liter. Und ich muss ständig, auch nachts, drei- bis viermal.
Polydipsie (4–5 l/d), Polyurie mit Nykturie (3–4 ×/Nacht)
Polyurie, Polydipsie und Gewichtsverlust bilden die klassische Trias. Fragen Sie immer nach beiden Größen — Trinkmenge und Toilettengänge.
Ärztin/ArztSeit wann geht das ungefähr?
Patient/inDer Durst schon seit ein paar Monaten. Aber richtig schlecht ist mir erst seit vier Tagen.
Polydipsie seit Monaten, akute Verschlechterung seit 4 Tagen
Die Unterscheidung zwischen schleichendem Beginn und akuter Verschlechterung erklärt, warum die Patientin gerade jetzt kommt.
Ärztin/ArztSehen Sie verschwommen?
Patient/inJa, seit ein paar Wochen ist das Sehen manchmal unscharf. Ich dachte, ich brauche eine neue Brille.
intermittierende Visusverschlechterung seit Wochen
Verschwommenes Sehen bei Hyperglykämie entsteht durch osmotische Quellung der Linse und ist reversibel. Das kann man der Patientin erklären.
Ärztin/ArztHaben Sie Wunden, die schlecht heilen? Oder häufig Infektionen?
Patient/inJa, eine kleine Wunde am Fuß seit drei Wochen, die geht nicht zu. Und ich habe dauernd Scheidenpilz.
Wundheilungsstörung am Fuß seit 3 Wochen; rezidivierende vaginale Candidiasis
Der Fuß muss unbedingt untersucht werden. Ein diabetisches Fußsyndrom kann sich hinter einer harmlos wirkenden Wunde verbergen.
Ärztin/ArztHaben Sie ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen bemerkt?
Patient/inJa, seit einiger Zeit kribbeln die Zehen, besonders nachts. Manchmal fühlen sie sich taub an.
Parästhesien und Hypästhesie der Zehen, nachts betont — V. a. diabetische Polyneuropathie
Die Polyneuropathie erklärt zugleich, warum die Fußwunde unbemerkt entstehen konnte. Diesen Zusammenhang herstellen.
Ärztin/ArztHaben Sie Bauchschmerzen? Atmen Sie schwerer als sonst?
Patient/inBauchschmerzen nicht wirklich. Aber ich atme irgendwie tiefer, das ist mir aufgefallen.
keine Abdominalgie; subjektiv vertiefte Atmung — V. a. Kussmaul-Atmung
Vertiefte Atmung und Bauchschmerz sind Warnzeichen einer Ketoazidose. Diese Frage entscheidet über die Dringlichkeit.
Patient/inHabe ich jetzt Zucker? Muss ich mir dann immer spritzen?
Ärztin/ArztDie Beschwerden passen zu einer Zuckerkrankheit, sicher sagen kann ich es nach der Blutuntersuchung. Und nein, spritzen muss nicht jeder. Bei Ihrer Form beginnen wir meist mit Tabletten, Ernährung und Bewegung. Insulin brauchen wir jetzt vielleicht kurzfristig, um die Werte rasch zu senken — das heißt nicht, dass es für immer so bleibt.
Die Angst vor dem Spritzen ist bei fast jedem Diabetiker da. Sie zu entkräften, ohne zu viel zu versprechen, ist die Kunst.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: Patientenvorstellung

Vorstellung der Patientin

Ich stelle Ihnen Frau Lara Croft vor, eine 52-jährige Patientin, 1,64 m groß und 92 kg schwer, bei einem BMI von 34,2 kg/m², entsprechend einer Adipositas Grad I.

In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.

Teil 3: Prüferfragen

Wie wird ein Diabetes mellitus diagnostiziert?
Über eines von vier Kriterien: Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl beziehungsweise 7,0 mmol/l, Gelegenheitsblutzucker ab 200 mg/dl mit typischer Symptomatik, HbA1c ab 6,5 Prozent oder ein oraler Glukosetoleranztest mit einem Zweistundenwert ab 200 mg/dl. Ohne eindeutige Symptome muss der Wert an einem zweiten Tag bestätigt werden.
Diese vier Zahlen müssen sitzen. Sie sind die am häufigsten abgefragten Grenzwerte des gesamten Fachgebiets.
Wie unterscheiden sich Typ 1 und Typ 2?
Der Typ 1 beruht auf einer autoimmunen Zerstörung der Betazellen mit absolutem Insulinmangel, manifestiert sich meist jung und rasch, oft mit Ketoazidose, bei schlankem Körperbau; nachweisbar sind Autoantikörper wie GAD und IA2. Der Typ 2 beruht auf Insulinresistenz mit relativem Mangel, entwickelt sich schleichend bei Adipositas und metabolischem Syndrom und wird oft zufällig oder erst über Folgeerkrankungen entdeckt.
Absoluter versus relativer Insulinmangel ist der begriffliche Kern. Damit ordnen Sie alles andere ein.
Wie unterscheiden Sie Ketoazidose und hyperosmolares Syndrom?
Die diabetische Ketoazidose tritt meist beim Typ 1 auf, mit Blutzucker um 300 bis 600 mg/dl, pH unter 7,35, Ketonkörpern, Kussmaul-Atmung, Azetongeruch und Bauchschmerzen — dem sogenannten Pseudoperitonitis diabetica. Das hyperosmolare hyperglykämische Syndrom tritt beim Typ 2 auf, mit Blutzucker oft über 600 mg/dl, ausgeprägter Exsikkose und Bewusstseinsstörung, aber ohne wesentliche Ketose, weil die Restinsulinsekretion die Lipolyse noch bremst.
Der Grund für die fehlende Ketose beim Typ 2 — die Restinsulinsekretion — ist der Satz, der diese Antwort abhebt.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):

Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall

DeutschFachspracheBereich
vermehrtes Wasserlassen in der NachtNykturieSymptom
Missempfindungen, KribbelnParästhesienSymptom
Nervenschädigung an mehreren NervenPolyneuropathieDiagnose
NetzhauterkrankungRetinopathieDiagnose
NierenerkrankungNephropathieDiagnose
Übersäuerung des Blutes bei Zuckerkrankheitdiabetische KetoazidoseDiagnose
vertiefte Atmung bei ÜbersäuerungKussmaul-AtmungBefund
UnterzuckerungHypoglykämieBefund
ÜberzuckerungHyperglykämieBefund
verminderte Empfindlichkeit gegenüber InsulinInsulinresistenzBefund
Neubildung von Zucker in der LeberGluconeogeneseBefund
SchwangerschaftsdiabetesGestationsdiabetesDiagnose
übergroßes NeugeborenesMakrosomieBefund
KaiserschnittSectio caesareaUntersuchung
Scheidenpilzvaginale CandidiasisDiagnose
FettstoffwechselstörungDyslipidämieDiagnose
Kombination aus Adipositas, Hypertonie, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenzmetabolisches SyndromDiagnose
Durchblutungsstörung der Beineperiphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)Diagnose
Erkrankung der kleinen GefäßeMikroangiopathieBefund
Erkrankung der großen GefäßeMakroangiopathieBefund
AugenhintergrundspiegelungFunduskopieUntersuchung
SehschärfeVisusBefund
LangzeitblutzuckerwertHbA1cUntersuchung
Wiederauffüllung des FlüssigkeitshaushaltsRehydratationTherapie
FettabbauLipolyseBefund
Übersäuerung durch MilchsäureLaktatazidoseBefund

FSP Trainer: Fachsprachprüfung

Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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