Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 39 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 55 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inHelene Fischbeck.
Helene Fischbeck
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/inAm 11. Juni 1970.
geb. 11.06.1970, 54 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,60 m und 52 Kilo.
1,60 m, 52 kg (BMI 20,3 kg/m²)
Aktuelle Anamnese
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch habe seit drei Stunden furchtbare Schmerzen im Oberbauch. So etwas hatte ich noch nie.
Aufnahmegrund: akute Oberbauchschmerzen seit 3 Stunden, Erstereignis
Ein plötzlicher, sehr starker Oberbauchschmerz ohne Vorgeschichte ist ein Alarmzeichen. Denken Sie an Pankreatitis, Perforation, Infarkt und Aortendissektion.
Ärztin/ArztKönnen Sie mir zeigen, wo genau?
Patient/inHier in der Mitte, oberhalb des Nabels. Und es zieht wie ein Gürtel um mich herum in den Rücken.
Schmerz epigastrisch, gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend
Der gürtelförmige Schmerz mit Rückenausstrahlung ist das klassische Bild der Pankreatitis. Übernehmen Sie das Wort „Gürtel“ wörtlich.
Ärztin/ArztWie stark ist der Schmerz auf einer Skala von null bis zehn?
Patient/inAcht, vielleicht neun. Ich halte es kaum aus.
Schmerzstärke 8–9/10
Ärztin/ArztHat der Schmerz plötzlich angefangen oder langsam zugenommen?
Patient/inPlötzlich. Es war von einer Minute auf die andere da.
perakuter Beginn
Ärztin/ArztWird der Schmerz durch etwas besser oder schlechter?
Patient/inBeim tiefen Einatmen wird es schlimmer. Wenn ich mich nach vorn beuge und die Knie anziehe, ist es etwas erträglicher.
Verstärkung bei tiefer Inspiration, Linderung in Kauerhaltung
Die Kauerhaltung ist ein klassisches Zeichen: Der Patient nimmt die Schonhaltung, weil sie das Pankreas entlastet. Fragen Sie danach — von selbst erzählt es niemand.
Ärztin/ArztIst Ihnen übel, oder haben Sie erbrochen?
Patient/inSehr übel. Erbrochen habe ich zweimal, danach war es nicht besser.
Nausea, zweimaliger Vomitusohne Erleichterung
Erbrechen ohne Erleichterung unterscheidet die Pankreatitis von vielen anderen Bauchbeschwerden. Nennen Sie es ausdrücklich.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber?
Patient/inGemessen habe ich nicht. Mir ist nicht gut, aber heiß eigentlich nicht.
Fieber nicht gemessen, subjektiv keine Temperaturerhöhung
Ärztin/ArztWas haben Sie zuletzt gegessen?
Patient/inGestern Abend gab es Schnitzel mit Bratkartoffeln. Danach fühlte ich mich schon nicht gut.
Beschwerdebeginn nach fettreicher Mahlzeit
Ärztin/ArztTrinken Sie Alkohol? Ich frage das jeden Patienten mit Oberbauchschmerz.
Patient/inSelten, ein Glas Wein zu Feiern. Mehr nicht.
Alkoholkonsum gering — spricht gegen eine äthyltoxische Genese
Die beiden häufigsten Ursachen sind Gallensteine und Alkohol. Wenn eine ausfällt, rückt die andere in den Vordergrund — sagen Sie das in der Vorstellung.
Ärztin/ArztHatten Sie in den letzten Wochen kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch?
Patient/inJetzt, wo Sie es sagen — zweimal in den letzten Monaten, nach dem Essen. Das ging aber von allein weg.
in den letzten Monaten zweimalige kolikartige Beschwerden rechts, selbstlimitierend — Verdacht auf Cholelithiasis
Diese Nachfrage ist der Schlüssel des Falls. Ohne sie fehlt die Ursache, und Ihre Vorstellung bleibt unvollständig.
Ärztin/ArztIst Ihnen an Augen oder Haut eine Gelbfärbung aufgefallen?
Patient/inNein, das nicht.
Ikterus verneint
Ärztin/ArztBekommen Sie schlecht Luft, oder haben Sie Herzrasen?
Patient/inEtwas kurzatmig bin ich, ja. Vermutlich vor Schmerzen.
leichte Dyspnoe
Nehmen Sie die Kurzatmigkeit ernst und schieben Sie sie nicht auf den Schmerz. Sie kann Vorbote einer respiratorischen Beteiligung sein.
Patient/inIst das etwas mit dem Herzen? Meine Schwester hatte einen Infarkt, der fing auch im Bauch an.
Ärztin/ArztDas ist ein wichtiger Gedanke, und ich nehme ihn ernst — deshalb schreibe ich Ihnen sofort ein EKG und nehme Herzenzyme mit ab. Ein Herzinfarkt kann sich tatsächlich als Oberbauchschmerz zeigen, besonders bei Frauen. Nach dem, was Sie mir schildern — der gürtelförmige Schmerz in den Rücken und die Linderung beim Vornüberbeugen —, denke ich allerdings eher an die Bauchspeicheldrüse. Beides klären wir jetzt gleichzeitig.
Die Sorge des Patienten nutzen, um Ihr eigenes Vorgehen zu erklären. Und den Infarkt bei Frauen mit atypischer Symptomatik ausdrücklich nennen.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (4 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (5 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (3 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (3 Gesprächszüge)
Familienanamnese (2 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (3 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Helene Fischbeck vor, eine 54-jährige Patientin, 1,60 m groß und 52 kg schwer, bei einem BMI von 20,3 kg/m². Sie stellte sich heute in unserer Notaufnahme vor.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Welche Ursachen der akuten Pankreatitis kennen Sie?
Am häufigsten Gallensteine mit etwa 40 bis 50 % und Alkohol mit etwa 30 bis 40 % — zusammen decken sie den überwiegenden Teil ab. Weiter Hypertriglyzeridämie bei Werten über etwa 1000 mg/dl, Hyperkalzämie, etwa bei primärem Hyperparathyreoidismus, Medikamente wie Azathioprin, Valproat, Furosemid, Thiazide und Östrogene, die Post-ERCP-Pankreatitis, Traumata, Infektionen wie Mumps oder Coxsackieviren, das Pancreas divisum, Autoimmunpankreatitis, Tumoren mit Gangverlegung sowie hereditäre Formen. Bleibt die Ursache offen, spricht man von einer idiopathischen Pankreatitis.
Die beiden großen zuerst und mit Prozentzahlen. Danach die selteneren — die Aufzählung wirkt dann geordnet und nicht beliebig.
Wie entsteht die Pankreatitis?
Durch eine vorzeitige Aktivierung der Verdauungsenzyme innerhalb des Pankreas. Normalerweise werden sie als inaktive Zymogene gebildet und erst im Duodenum durch die Enterokinase aktiviert. Kommt es — etwa durch einen eingeklemmten Stein an der Papille mit Rückstau — zur vorzeitigen Aktivierung von Trypsinogen zu Trypsin, aktiviert dieses die übrigen Enzyme in einer Kettenreaktion. Das Organ verdaut sich selbst: Es entstehen Ödem, Nekrose und Fettgewebsnekrosen, dazu eine massive Freisetzung von Entzündungsmediatoren mit Kapillarleck, Flüssigkeitsverlust in den dritten Raum und im schweren Fall einem SIRS mit Organversagen.
„Das Organ verdaut sich selbst“ ist der Satz, der alles erklärt — auch, warum so viel Flüssigkeit verloren geht.
Welchen Laborwert brauchen Sie, und was sagt er aus?
Die Lipase ist der Marker der Wahl, weil sie spezifischer ist als die Amylase und länger erhöht bleibt. Ein Wert über dem Dreifachen der oberen Norm gilt zusammen mit typischen Schmerzen als diagnostisch. Wichtig: Die Höhe des Wertes korreliert nicht mit der Schwere der Erkrankung — ein sehr hoher Wert bedeutet nicht automatisch einen schweren Verlauf, und umgekehrt. Erhöht sein kann die Lipase auch bei Niereninsuffizienz, Ileus, Ulkusperforation und Mesenterialischämie.
Der Satz, dass die Höhe nicht die Schwere anzeigt, wird fast immer geprüft. Sagen Sie ihn von sich aus.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Wie stellen Sie die Diagnose?
Welche Schweregrade unterscheiden Sie?
Welche Befunde erwarten Sie bei der körperlichen Untersuchung?
Warum ist die Flüssigkeitsgabe so wichtig?
Wann darf die Patientin wieder essen?
Geben Sie prophylaktisch Antibiotika?
Wann machen Sie eine ERCP?
Wann wird die Gallenblase entfernt?
Welche lokalen Komplikationen kennen Sie?
Und systemisch?
Was unterscheidet die chronische von der akuten Pankreatitis?
Wie erklären Sie der Patientin die Erkrankung in einfacher Sprache?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Bauchspeicheldrüse
Pankreas
Anatomie
Bauchspeicheldrüsengang
Ductus pancreaticus
Anatomie
Zwölffingerdarm
Duodenum
Anatomie
Mündung von Gallen- und Pankreasgang
Papilla Vateri
Anatomie
hinter dem Bauchfell gelegen
retroperitoneal
Anatomie
Oberbauch, Magengrube
Epigastrium
Anatomie
Inselzellen der Bauchspeicheldrüse
Langerhans-Inseln
Anatomie
Bauchspeicheldrüsenentzündung
Pankreatitis
Diagnose
durch Gallensteine bedingt
biliär
Diagnose
durch Alkohol bedingt
äthyltoxisch
Diagnose
ohne erkennbare Ursache
idiopathisch
Diagnose
Gewebsuntergang
Nekrose
Befund
Flüssigkeitshöhle ohne echte Auskleidung
Pseudozyste
Diagnose
Eiteransammlung in einer abgekapselten Höhle
Abszess
Diagnose
Bauchspeicheldrüsenkrebs
Pankreaskarzinom
Diagnose
Fettstuhl
Steatorrhö
Symptom
gürtelförmig
gürtelförmig
Befund
plötzlich und heftig
perakut
Befund
Übelkeit
Nausea
Symptom
Erbrechen
Vomitus, Emesis
Symptom
Blähung
Meteorismus
Symptom
Appetitlosigkeit
Inappetenz
Symptom
Gelbsucht
Ikterus
Befund
elastisch gespannter Bauch
Gummibauch
Befund
Darmlähmung
paralytischer Ileus
Diagnose
bläuliche Verfärbung um den Nabel
Cullen-Zeichen
Befund
bläuliche Verfärbung der Flanken
Grey-Turner-Zeichen
Befund
Bauchspeicheldrüsenenzym im Blut
Lipase
Befund
stärkespaltendes Enzym
Amylase
Befund
Vorstufe eines Enzyms
Zymogen
Befund
eiweißspaltendes Enzym der Bauchspeicheldrüse
Trypsin
Befund
erhöhte Blutfette
Hyperlipidämie
Diagnose
erhöhte Neutralfette
Hypertriglyzeridämie
Diagnose
Kalziumüberschuss im Blut
Hyperkalzämie
Diagnose
Kalziummangel im Blut
Hypokalzämie
Diagnose
Eindickung des Blutes
Hämokonzentration
Befund
Flüssigkeitsverlust in das Gewebe
dritter Raum
Befund
Volumenmangel
Hypovolämie
Diagnose
systemische Entzündungsreaktion
SIRS
Diagnose
akutes Lungenversagen
ARDS
Diagnose
Versagen mehrerer Organe
Multiorganversagen
Diagnose
Ultraschalluntersuchung des Bauches
Abdomensonographie
Untersuchung
Ultraschall über die Speiseröhre
Endosonographie
Untersuchung
Darstellung der Gallenwege im Kernspin
MRCP
Untersuchung
endoskopische Darstellung der Gallenwege
ERCP
Untersuchung
Einschneiden der Papille
Papillotomie
Therapie
Entfernung der Gallenblase
Cholezystektomie
Therapie
Flüssigkeitsgabe über die Vene
Volumensubstitution
Therapie
Ernährung über eine Sonde in den Darm
enterale Ernährung
Therapie
Ernährung über die Vene
parenterale Ernährung
Therapie
Nichtsdurchlassen von Speisen
Nahrungskarenz
Therapie
starkes Schmerzmittel
Opioid
Pharmakologie
Verdauungsenzympräparat
Pankreasenzyme
Pharmakologie
Übertritt von Darmbakterien ins Blut
bakterielle Translokation
Diagnose
Zuckerkrankheit nach Bauchspeicheldrüsenschaden
pankreopriver Diabetes
Diagnose
FSP Niedersachsen
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.