Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 38 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 53 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inGuten Tag. Gerlinde Ahrens.
Gerlinde Ahrens
Begrüßung, eigener Name, eigene Funktion — in dieser Reihenfolge. Die Kommission achtet darauf, dass Sie sich überhaupt vorstellen.
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren, Frau Ahrens?
Patient/inAm 14. Februar 1966.
geb. 14.02.1966, 58 Jahre
Name und Geburtsdatum dienen der Identifikation — genau so sollten Sie es dem Prüfer auch begründen können.
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/inIch bin 1,68 m und wiege 88 Kilo. Ich weiß, das ist zu viel.
1,68 m, 88 kg (BMI 31,2 kg/m², Adipositas Grad I)
Den BMI grob im Kopf mitrechnen. Bei einem kardialen Fall ist er ein Risikofaktor und gehört in die Vorstellung.
Aktuelle Anamnese
Ärztin/ArztWas führt Sie heute zu uns?
Patient/inIch habe seit heute früh so einen Druck auf der Brust. Das hatte ich schon mal, aber heute war es viel schlimmer.
Aufnahmegrund: retrosternaler Druck seit heute Morgen, Zunahme gegenüber früheren Episoden
Die erste Frage bleibt offen. Lassen Sie die Patientin zwei, drei Sätze am Stück sprechen, bevor Sie zu den gezielten Fragen übergehen.
Ärztin/ArztDas klingt beunruhigend. Können Sie mir genau zeigen, wo Sie den Druck spüren?
Patient/inHier, mitten auf der Brust. Wie wenn jemand draufsitzt.
Lokalisation retrosternal, Charakter drückend („wie wenn jemand draufsitzt“)
Lassen Sie die Patientin zeigen, statt nur zu fragen. Und übernehmen Sie ihr Bild in die Dokumentation — „drückend“ ist genau das, was Sie später vortragen.
Ärztin/ArztStrahlen die Schmerzen irgendwohin aus?
Patient/inIn den linken Arm, bis in den Ellenbogen. Und in den Unterkiefer, das ist komisch.
Ausstrahlung in linken Arm und Unterkiefer
Die Ausstrahlung in Arm und Mandibula ist das klassische Muster. Fragen Sie aktiv danach — viele Patienten erzählen es von selbst nicht.
Ärztin/ArztWann genau hat das heute angefangen und was haben Sie in dem Moment gemacht?
Patient/inHeute früh gegen sieben. Ich habe die Mülltonne zur Straße geschoben, da fing es an.
Beginn heute ca. 7 Uhr, belastungsabhängig (Mülltonne geschoben)
Die auslösende Tätigkeit ist wichtiger als die Uhrzeit: Belastungsabhängigkeit ist das Kernkriterium der Angina pectoris.
Ärztin/ArztWie lange hat der Schmerz gedauert?
Patient/inBestimmt zwanzig Minuten. Ich habe mich hingesetzt, dann wurde es langsam besser.
Dauer ca. 20 Minuten, Besserung in Ruhe
Dauer und Besserung in Ruhe trennen die Angina pectoris vom Infarkt. Beides gehört unbedingt in die Vorstellung.
Ärztin/ArztWie stark waren die Schmerzen auf einer Skala von null bis zehn, wenn zehn der stärkste vorstellbare Schmerz ist?
Patient/inHeute früh acht. Jetzt vielleicht noch zwei.
Schmerzstärke 8/10 initial, aktuell 2/10
Immer die Skala erklären, nicht nur nach einer Zahl fragen. Und beide Werte festhalten — initial und jetzt.
Ärztin/ArztSie sagten, Sie hätten das schon einmal gehabt. Erzählen Sie mir davon.
Patient/inSeit ungefähr drei Wochen. Immer wenn ich mich anstrenge, beim Treppensteigen oder im Garten. Aber das ging nach zwei, drei Minuten weg. Heute war es viel länger und viel stärker.
seit 3 Wochen rezidivierende belastungsabhängige Episoden von 2–3 min, heute erstmals länger und stärker
Genau diese Zunahme macht aus der stabilen eine instabile Angina pectoris. Sagen Sie das später in der Vorstellung ausdrücklich.
Ärztin/ArztHaben Sie etwas dagegen eingenommen?
Patient/inZwei Ibuprofen 400. Das hat gar nichts gebracht.
Ibuprofen 400 mg ohne Wirkung
Dass ein Analgetikum nicht hilft, spricht gegen einen muskuloskelettalen Schmerz — ein verwertbarer Befund, kein Nebensatz.
Ärztin/ArztHatten Sie dabei noch andere Beschwerden — Luftnot, Übelkeit, Schwitzen?
Patient/inLuftnot ja, ich bekam schlecht Luft. Und geschwitzt habe ich wie verrückt. Übel war mir auch ein bisschen.
Begleitend Dyspnoe, Hyperhidrosis, Nausea
Fragen Sie die Begleitsymptome einzeln ab. Eine Sammelfrage („sonst noch was?“) beantworten Patienten fast immer mit Nein.
Ärztin/ArztWar Ihnen schwindelig, oder sind Sie ohnmächtig geworden? Hat Ihr Herz gestolpert?
Patient/inNein, umgefallen bin ich nicht. Herzstolpern hatte ich auch nicht.
Synkope und Palpitationen verneint
Die verneinten Symptome gehören mit in die Vorstellung. Sie zeigen, dass Sie gezielt gefragt haben.
Ärztin/ArztWurden die Schmerzen beim Atmen oder beim Bewegen stärker?
Patient/inNein, das war unabhängig davon.
keine Atem- oder Bewegungsabhängigkeit
Damit grenzen Sie Perikarditis, Pleuritis und ein Thoraxwandsyndrom ab. Sagen Sie das in der Vorstellung als Begründung zu den Differentialdiagnosen.
Ärztin/ArztHatten Sie Fieber oder Husten in den letzten Tagen?
Patient/inNein, gar nicht.
Fieber und Husten verneint
Patient/inFrau Doktor, ist das ein Herzinfarkt? Mein Vater ist daran gestorben, mit 61.
Ärztin/ArztIch verstehe Ihre Sorge sehr gut, gerade weil Sie das von Ihrem Vater kennen. Genau deshalb nehmen wir Ihre Beschwerden ernst. Ich kann Ihnen jetzt noch nicht sicher sagen, ob es ein Infarkt ist — dafür brauchen wir ein EKG und eine Blutuntersuchung. Beides veranlasse ich sofort, und ich bleibe bei Ihnen.
Eine Reaktion auf die Angst wird in Hannover regelmäßig erwartet. Erst das Gefühl aufgreifen, dann ehrlich bleiben, dann sagen, was Sie konkret tun. Nichts versprechen, was Sie nicht wissen.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (5 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (3 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (3 Gesprächszüge)
Familienanamnese (3 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (3 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Gerlinde Ahrens vor, eine 58-jährige Patientin, 1,68 m groß und 88 kg schwer, bei einem BMI von 31,2 kg/m². Sie stellte sich heute Morgen in unserer Notaufnahme vor.
Ein einziger Einstiegssatz: Name, Alter, Geschlecht, Maße. Danach eine Atempause — nicht durchhetzen.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Warum sprechen Sie von einer instabilen und nicht von einer stabilen Angina pectoris?
Weil die Beschwerden zunehmen: Über drei Wochen traten die Episoden bei immer geringerer Belastung auf, und heute dauerte die Episode mit zwanzig Minuten deutlich länger und war deutlich stärker. Man spricht von einer Crescendo-Angina. Eine stabile Angina pectoris ist über Wochen unverändert, tritt bei einer gleichbleibenden Belastungsschwelle auf und bessert sich rasch in Ruhe.
Diese Frage kommt in Hannover fast sicher. Antworten Sie mit dem Verlauf, nicht mit einer Definition aus dem Lehrbuch.
Wie ordnen Sie die instabile Angina pectoris in das akute Koronarsyndrom ein?
Das akute Koronarsyndrom umfasst drei Entitäten: die instabile Angina pectoris, den NSTEMI und den STEMI. Unterschieden werden sie über EKG und Troponin. Bei der instabilen Angina pectoris ist das Troponin negativ, beim NSTEMI positiv ohne persistierende ST-Hebung, beim STEMI besteht eine ST-Hebung.
Zeichnen Sie das im Kopf als Baum: erst EKG, dann Troponin. So verhaspeln Sie sich nicht.
Welche kardiovaskulären Risikofaktoren hat diese Patientin?
Nicht beeinflussbar sind ihr Alter, das weibliche Geschlecht in der Postmenopause und die positive Familienanamnese — der Vater verstarb mit 61 Jahren an einem Myokardinfarkt. Beeinflussbar sind der Nikotinabusus mit 38 pack years, die arterielle Hypertonie, der schlecht eingestellte Diabetes mellitus Typ 2 mit einem HbA1c von 8,2 %, die Hypercholesterinämie und die Adipositas mit einem BMI von 31,2 kg/m².
Teilen Sie in beeinflussbar und nicht beeinflussbar. Diese Gliederung wirkt strukturiert und führt direkt zur Therapieempfehlung.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Was erwarten Sie im EKG?
Welchen Laborwert brauchen Sie, und warum bestimmen Sie ihn zweimal?
Ist ein erhöhtes Troponin immer ein Herzinfarkt?
Wie klären Sie die Patientin über die Koronarangiographie auf?
Worauf achten Sie vor der Kontrastmittelgabe?
Welche Medikamente geben Sie akut, und warum?
Welche Möglichkeiten der Revaskularisation gibt es außer dem Stent?
Worin unterscheiden sich Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2?
Welche Folgeerkrankungen des Diabetes kennen Sie?
Wie berechnen Sie die pack years, und was raten Sie der Patientin?
Welche Komplikationen des Myokardinfarkts kennen Sie?
Die Patientin möchte gegen ärztlichen Rat nach Hause. Wie gehen Sie vor?
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.