Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 22 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 11 Prüferfragen und 22 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?
Patient/inHenrike Meyer.
Henrike Meyer
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren? Größe und Gewicht?
Patient/in24. April 1967. 1,63 m, 86 Kilo.
geb. 24.04.1967, 58 Jahre, 1,63 m, 86 kg (BMI 32,4 kg/m², Adipositas Grad I)
Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch habe seit heute Morgen schlimme Kopfschmerzen im Hinterkopf, und mir ist schwindelig. Zu Hause habe ich gemessen: 210 zu 115.
okzipitale Cephalgie und Vertigo seit heute Morgen; RR 210/115 mmHg in der Selbstmessung
Kopfschmerz im Hinterkopf am Morgen ist der klassische Hypertoniekopfschmerz. Den selbst gemessenen Wert immer dokumentieren.
Ärztin/ArztSehen Sie verschwommen oder haben Sie Doppelbilder?
Patient/inJa, seit heute flimmert es vor den Augen.
Visusstörung mit Flimmern seit heute — mögliche Endorganbeteiligung
Sehstörungen bei stark erhöhtem Blutdruck deuten auf eine hypertensive Retinopathie und machen aus der Entgleisung möglicherweise einen Notfall.
Ärztin/ArztHaben Sie Brustschmerzen oder Atemnot?
Patient/inNein, beides nicht.
keine Angina pectoris, keine Dyspnoe
Damit schließen Sie Herzinfarkt, Lungenödem und Aortendissektion als Endorganschäden weitgehend aus. Das entscheidet über Notfall oder nicht.
Ärztin/ArztIst ein Arm oder Bein schwächer geworden? Ist Ihnen das Sprechen schwergefallen?
Patient/inNein, nichts dergleichen.
keine fokal-neurologischen Defizite
Der neurologische Ausschluss trennt die hypertensive Entgleisung vom Schlaganfall und von der hypertensiven Enzephalopathie.
Ärztin/ArztHatten Sie Nasenbluten? Ist Ihnen übel?
Patient/inNasenbluten hatte ich heute Morgen, und übel ist mir auch.
Epistaxis heute Morgen, Nausea
Ärztin/ArztWie hoch sind Ihre Blutdruckwerte sonst? Messen Sie regelmäßig?
Patient/inIch messe selten. Wenn, dann meist um 160 zu 95.
übliche Werte um 160/95 mmHg, seltene Selbstmessung — unkontrollierte Hypertonie
Ärztin/ArztHat sich in letzter Zeit etwas geändert — bei den Medikamenten oder im Alltag?
Patient/inIch habe die Tabletten vor zwei Wochen abgesetzt. Ich hatte dauernd Husten davon, und im Internet stand, das kommt vom Blutdruckmittel.
Antihypertensiva vor 2 Wochen eigenmächtig abgesetzt wegen Reizhusten
Das ist der Kern des Falls. Fragen Sie immer, warum abgesetzt wurde — hier war die Beobachtung der Patientin sogar richtig.
Patient/inWar das falsch? Der Husten hat mich wirklich gequält.
Ärztin/ArztIhre Beobachtung war völlig richtig — dieser Reizhusten ist eine bekannte Nebenwirkung genau dieser Tablettengruppe. Nicht richtig war nur, sie ohne Rücksprache wegzulassen, denn der Blutdruck steigt dann wieder. Es gibt aber ein sehr ähnliches Mittel ohne diese Nebenwirkung. Wir stellen Sie darauf um.
Die Patientin nicht beschämen. Ihre Wahrnehmung bestätigen, den Fehler benennen und sofort eine Lösung anbieten.
Ärztin/ArztSchnarchen Sie? Sind Sie tagsüber ungewöhnlich müde?
Patient/inMein Mann sagt, ich schnarche laut und setze manchmal mit dem Atmen aus. Tagsüber schlafe ich oft ein.
lautes Schnarchen mit Atempausen (Fremdanamnese), Tagesmüdigkeit — V. a. OSAS
Das Schlafapnoesyndrom ist eine der häufigsten Ursachen einer schwer einstellbaren Hypertonie und wird regelmäßig übersehen.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (2 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (1 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (1 Gesprächszüge)
Familienanamnese (1 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (1 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Henrike Meyer vor, eine 58-jährige Patientin, 1,63 m groß und 86 kg schwer, bei einem BMI von 32,4 kg/m², entsprechend einer Adipositas Grad I.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Ab wann sprechen Sie von einer arteriellen Hypertonie?
Ab Praxiswerten von 140 zu 90 mmHg und darüber bei wiederholter Messung. Grad 1 liegt bei 140–159 zu 90–99, Grad 2 bei 160–179 zu 100–109, Grad 3 ab 180 zu 110. Bei der 24-Stunden-Messung gelten niedrigere Grenzwerte: im Mittel 130 zu 80, tagsüber 135 zu 85, nachts 120 zu 70.
Dass die Grenzwerte bei der Langzeitmessung niedriger liegen, wird gern nachgefragt.
Was unterscheidet die hypertensive Entgleisung vom Notfall?
Beide zeigen stark erhöhte Werte, meist über 180 zu 120. Bei der hypertensiven Entgleisung oder Krise fehlt eine akute Endorganschädigung; gesenkt wird langsam oral über ein bis zwei Tage. Beim hypertensiven Notfall liegt eine akute Schädigung vor — Enzephalopathie, Apoplex, Lungenödem, Myokardinfarkt, Aortendissektion, Eklampsie oder Nierenversagen; hier wird intravenös und kontrolliert gesenkt.
Nicht die Höhe des Wertes entscheidet, sondern der Endorganschaden. Das ist der Kernsatz.
Warum darf der Blutdruck nicht zu schnell gesenkt werden?
Weil sich die Autoregulation von Gehirn, Herz und Nieren bei chronischer Hypertonie auf ein höheres Niveau eingestellt hat. Ein zu rascher Abfall führt zur Minderperfusion mit der Gefahr von Hirninfarkt, Myokardischämie und Nierenversagen. Deshalb gilt: in der ersten Stunde höchstens 20 bis 25 Prozent Senkung, danach schrittweise. Ausnahmen mit rascherer Senkung sind die Aortendissektion und die Eklampsie.
Die beiden Ausnahmen zu nennen zeigt, dass Sie die Regel wirklich verstanden haben.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Welche sekundären Hypertonieursachen kennen Sie?
Warum erhöht Lakritz den Blutdruck?
Welche Endorganschäden verursacht die Hypertonie?
Welche Substanzklassen setzen Sie ein?
Wie erklären Sie den Reizhusten der Patientin?
Warum ordnen Sie eine 24-Stunden-Blutdruckmessung an?
Welche nichtmedikamentösen Maßnahmen empfehlen Sie?
Wie erklären Sie der Patientin, warum sie die Tabletten dauerhaft braucht?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
am Hinterkopf gelegen
okzipital
Anatomie
Nasenbluten
Epistaxis
Symptom
Verdickung der linken Herzkammer
linksventrikuläre Hypertrophie
Befund
Netzhautschädigung durch Bluthochdruck
hypertensive Retinopathie
Diagnose
Nierenschädigung durch Bluthochdruck
hypertensive Nephropathie
Diagnose
Hirnschädigung durch Blutdruckkrise
hypertensive Enzephalopathie
Diagnose
Verengung der Nierenarterie
Nierenarterienstenose
Diagnose
Überproduktion von Aldosteron
Conn-Syndrom
Diagnose
Überproduktion von Cortisol
Cushing-Syndrom
Diagnose
angeborene Verengung der Hauptschlagader
Aortenisthmusstenose
Diagnose
Schwangerschaftsvergiftung
Präeklampsie
Diagnose
gutartige Muskelgeschwulst der Gebärmutter
Uterusmyom
Diagnose
nächtliche Atemaussetzer im Schlaf
obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS)
Diagnose
Schlaflaboruntersuchung
Polysomnographie
Untersuchung
Selbstregulation der Organdurchblutung
Autoregulation
Befund
Minderdurchblutung
Minderperfusion
Befund
wassertreibendes Mittel aus der Thiazidgruppe
Thiaziddiuretikum
Pharmakologie
Kalziumkanalblocker
Kalziumantagonist
Pharmakologie
Schwellung von Haut und Schleimhaut
Angioödem
Befund
nur beim Arzt erhöhter Blutdruck
Weißkittelhypertonie
Befund
durch den Arzt oder die Behandlung verursacht
iatrogen
Befund
erhöhte Blutfettwerte
Hyperlipidämie
Diagnose
FSP Trainer: Fachsprachprüfung
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.