FSP-Fälle

Fall: Funktionelles HWS-Syndrom

Diagnose: Funktionelles HWS-Syndrom nach Beschleunigungstrauma

Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 19 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 11 Prüferfragen und 22 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.

Teil 1: Anamnesegespräch

Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.

Personalien

Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?
Patient/inAndreas Scholten.
Andreas Scholten
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren? Größe und Gewicht?
Patient/in21. Januar 1983. 1,79 m, 83 Kilo.
geb. 21.01.1983, 42 Jahre, 1,79 m, 83 kg (BMI 25,9 kg/m²)

Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch hatte gestern einen Auffahrunfall. Jemand ist mir an der Ampel hinten reingefahren. Seit heute Morgen tut mir der Nacken weh und ich kann den Kopf kaum drehen.
Auffahrunfall gestern (Heckkollision); seit heute Morgen Nackenschmerz und Bewegungseinschränkung der HWS
Das freie Intervall von mehreren Stunden zwischen Unfall und Beschwerdebeginn ist typisch für das Beschleunigungstrauma.
Ärztin/ArztKönnen Sie mir den Unfall genau beschreiben? Wie schnell, waren Sie angeschnallt, hatten Sie eine Kopfstütze?
Patient/inIch stand, der andere kam mit vielleicht dreißig. Angeschnallt war ich, Kopfstütze war da, aber ziemlich tief eingestellt.
Heckaufprall bei ca. 30 km/h im Stand, angeschnallt, Kopfstütze zu tief eingestellt
Aufprallgeschwindigkeit, Gurt und Kopfstütze bestimmen die Schwere. Eine zu tiefe Kopfstütze verstärkt das Trauma erheblich.
Ärztin/ArztWaren Sie bewusstlos? Können Sie sich an alles erinnern?
Patient/inNein, ich war die ganze Zeit wach und weiß alles noch genau.
keine Bewusstlosigkeit, keine Amnesie — kein Hinweis auf SHT
Bewusstlosigkeit und Erinnerungslücke sind die Schlüsselfragen zum Schädel-Hirn-Trauma und müssen immer gestellt werden.
Ärztin/ArztStrahlen die Schmerzen in die Arme aus? Haben Sie ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Händen?
Patient/inEs zieht manchmal in beide Schultern, aber nicht in die Arme. Kribbeln habe ich nicht.
Ausstrahlung nur in beide Schultern, keine radikuläre Symptomatik, keine Parästhesien
Fehlende radikuläre Zeichen sprechen für ein funktionelles, also pseudoradikuläres Syndrom — das ist der Kern der Diagnose.
Ärztin/ArztIst die Kraft in den Armen und Händen normal? Fällt Ihnen etwas aus der Hand?
Patient/inNein, die Kraft ist normal.
keine Paresen, keine Kraftminderung
Ärztin/ArztHaben Sie Gangunsicherheit bemerkt? Probleme mit Blase oder Darm?
Patient/inNein, nichts davon.
keine Gangataxie, keine Blasen- oder Mastdarmstörung — keine Hinweise auf Myelopathie
Diese Fragen schließen eine Rückenmarksbeteiligung aus. Bei HWS-Beschwerden gehören sie zwingend dazu.
Ärztin/ArztHaben Sie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder Sehstörungen?
Patient/inKopfschmerzen vom Nacken her nach oben, und mir ist etwas schwindelig. Sehen kann ich normal.
zervikogene Cephalgie, leichter Schwindel; keine Sehstörung, kein Erbrechen
Kopfschmerz und Schwindel gehören zum Beschleunigungstrauma. Erbrechen und Sehstörungen wären dagegen Warnzeichen.
Ärztin/ArztSchlafen Sie schlecht? Wie sind Sie mit dem Unfall psychisch zurechtgekommen?
Patient/inIch schlafe schlecht und muss ständig daran denken. Beim Autofahren bin ich jetzt sehr angespannt.
Insomnie, gedankliches Wiedererleben, Anspannung beim Autofahren — psychische Belastung
Die psychische Komponente ist beim HWS-Syndrom prognostisch entscheidend und wird oft übersehen. Aktiv erfragen.
Patient/inBleibt das jetzt für immer? Und brauche ich eine Halskrause?
Ärztin/ArztDie allermeisten dieser Verletzungen heilen innerhalb weniger Wochen vollständig aus. Eine Halskrause empfehlen wir heute ausdrücklich nicht mehr — sie schwächt die Muskulatur und verzögert die Heilung. Besser ist es, den Nacken unter guter Schmerzbehandlung früh und normal zu bewegen. Genau das ist die wirksamste Behandlung.
Die Halskrause aktiv abzulehnen und die frühe Bewegung zu begründen ist die entscheidende Botschaft dieses Falls.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: Patientenvorstellung

Vorstellung des Patienten

Ich stelle Ihnen Herrn Andreas Scholten vor, einen 42-jährigen Patienten, 1,79 m groß und 83 kg schwer, bei einem BMI von 25,9 kg/m². Er stellte sich einen Tag nach einem Verkehrsunfall vor.

In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.

Teil 3: Prüferfragen

Was ist ein Schleudertrauma?
Korrekt spricht man von einer Beschleunigungsverletzung der Halswirbelsäule. Durch eine plötzliche Beschleunigung — meist bei einem Heckaufprall — kommt es zu einer peitschenschlagartigen Bewegung des Kopfes mit Hyperextension und anschließender Hyperflexion. Verletzt werden vor allem Muskeln, Bänder und Gelenkkapseln; knöcherne Verletzungen sind selten. Typisch ist ein freies Intervall von Stunden bis zu einem Tag.
Den korrekten Fachbegriff verwenden. „Schleudertrauma“ ist Umgangssprache und wird von Prüfern gern korrigiert.
Wie wird der Schweregrad eingeteilt?
Nach der Quebec-Klassifikation. Grad 0: keine Beschwerden, kein Befund. Grad I: Nackenschmerz, Steifigkeit, aber kein objektiver Befund. Grad II: zusätzlich muskuloskelettale Befunde wie Bewegungseinschränkung und Druckschmerz. Grad III: zusätzlich neurologische Ausfälle. Grad IV: Fraktur oder Luxation. Unser Patient entspricht Grad I bis II.
Die Zuordnung des eigenen Patienten am Ende ist das, was die Antwort vom Auswendiglernen unterscheidet.
Was ist die Canadian C-Spine Rule?
Eine Entscheidungsregel, wann nach einem HWS-Trauma eine Bildgebung nötig ist. Sie prüft Hochrisikofaktoren — Alter ab 65, gefährlicher Unfallmechanismus, Parästhesien in den Extremitäten —, dann Niedrigrisikofaktoren, die eine sichere Beurteilung der Beweglichkeit erlauben, und schließlich, ob der Patient den Kopf aktiv um 45 Grad zu beiden Seiten drehen kann. Ist das möglich und liegen keine Risikofaktoren vor, kann auf eine Bildgebung verzichtet werden.
Die 45 Grad Rotation ist die konkrete Zahl, auf die es ankommt.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):

Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall

DeutschFachspracheBereich
HalswirbelsäuleHWS, Columna vertebralis cervicalisAnatomie
Beschleunigungsverletzung der HalswirbelsäuleHWS-DistorsionDiagnose
ÜberstreckungHyperextensionBefund
übermäßige BeugungHyperflexionBefund
schmerzhafte MuskelverhärtungMyogeloseBefund
vom Nacken ausgehender Kopfschmerzzervikogene CephalgieSymptom
ErinnerungslückeAmnesieSymptom
Schädel-Hirn-TraumaSHTDiagnose
RückenmarksschädigungMyelopathieDiagnose
RückenmarkMyelonAnatomie
GangunsicherheitAtaxieSymptom
erhöhte MuskelspannungSpastikBefund
elektrisierendes Gefühl bei KopfbeugungLhermitte-ZeichenBefund
Zahnfortsatz des zweiten HalswirbelsDens axisAnatomie
Instabilität zwischen erstem und zweitem Halswirbelatlantoaxiale InstabilitätDiagnose
Einriss der GefäßinnenwandDissektionDiagnose
WirbelarterieArteria vertebralisAnatomie
neben der Wirbelsäule gelegenparavertebralAnatomie
DornfortsatzProcessus spinosusAnatomie
muskelentspannendes MittelMuskelrelaxansPharmakologie
Lehre von der Anpassung der Arbeit an den MenschenErgonomieTherapie
ArbeitsunfähigkeitAUBefund

FSP Trainer: Fachsprachprüfung

Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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