Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 37 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 55 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Ambulanz. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inAnke Kayser.
Anke Kayser
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/inAm 2. Dezember 1972.
geb. 02.12.1972, 51 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,72 m und 75 Kilo.
1,72 m, 75 kg (BMI 25,4 kg/m²)
Aktuelle Anamnese
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch habe seit vier Wochen Schmerzen im Nacken, die in den rechten Arm ziehen. Es wird immer schlimmer.
Aufnahmegrund: seit 4 Wochen Zervikobrachialgie rechts, progredient
Zervikobrachialgie ist der Fachbegriff für den vom Hals in den Arm ausstrahlenden Schmerz. Verwenden Sie ihn — er zeigt sofort, dass Sie das Muster erkannt haben.
Ärztin/ArztKönnen Sie mir zeigen, wohin die Schmerzen ziehen?
Patient/inVom Nacken über die Schulter, außen am Arm entlang bis in den Daumen und den Zeigefinger.
Lassen Sie den Verlauf mit der Hand nachzeichnen. Ein streifenförmiger Verlauf bis in bestimmte Finger ist radikulär — genau das grenzt es vom muskulären Schmerz ab.
Ärztin/ArztStrahlt es auch in den Hinterkopf?
Patient/inJa, hinten am Kopf zieht es auch.
Ausstrahlung in die Regio occipitalis
Ärztin/ArztWie fühlt sich der Schmerz an?
Patient/inZiehend, manchmal elektrisierend — wie ein Stromschlag, wenn ich mich falsch bewege.
„Wie ein Stromschlag“ ist die klassische Beschreibung des Nervenschmerzes. Übernehmen Sie die Formulierung wörtlich in die Dokumentation.
Ärztin/ArztWie stark ist der Schmerz auf einer Skala von null bis zehn?
Patient/inDas kann ich schwer sagen. Es kommt und geht. Wenn es einschießt, ist es sehr stark.
Schmerzstärke intermittierend, in Attacken sehr stark; numerische Angabe nicht möglich
Wenn der Patient keine Zahl nennen kann, drängen Sie nicht. Halten Sie fest, dass keine Angabe möglich war — das ist ehrlicher als eine erfundene Zahl.
Ärztin/ArztWann wird es schlimmer?
Patient/inWenn ich den Kopf drehe, besonders nach rechts. Und beim Husten und Niesen.
Verstärkung bei Kopfrotation nach rechts und bei Husten und Niesen
Die Verstärkung beim Husten und Niesen spricht für eine Wurzelkompression — der Druck im Spinalkanal steigt. Ein Befund, der überzeugt.
Ärztin/ArztUnd wann wird es besser?
Patient/inWenn ich den Arm über den Kopf lege. Das ist merkwürdig, aber es hilft.
Besserung beim Anheben des Armes über den Kopf — Schulterabduktionszeichen
Das Schulterabduktionszeichen entlastet die Nervenwurzel und ist für die zervikale Radikulopathie recht spezifisch. Diesen Begriff können Sie nennen.
Ärztin/ArztWie hat das angefangen?
Patient/inIch habe eine schwere Kiste vom Boden hochgehoben. Am nächsten Tag ging es los.
Beginn nach Heben einer schweren Last vom Boden
Ärztin/ArztHaben Sie Taubheit oder Kribbeln?
Patient/inJa, Daumen und Zeigefinger sind pelzig und kribbeln.
Hypästhesie und Parästhesie an Daumen und Zeigefinger — Dermatom C6
Daumen und Zeigefinger entsprechen dem Dermatom C6. Diese Zuordnung ausdrücklich nennen — sie ist der Kern der Lokalisationsdiagnostik.
Ärztin/ArztIst der Arm auch schwächer geworden — lassen Sie etwas fallen?
Patient/inJa. Die Kaffeekanne ist mir gestern aus der Hand gerutscht.
Hinweis auf Kraftminderung der rechten Hand, Gegenstände fallen gelassen
Das Fallenlassen von Gegenständen ist ein motorisches Warnzeichen. Ob eine echte Parese vorliegt, klären Sie bei der Untersuchung — sagen Sie das auch so.
Ärztin/ArztHaben Sie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, oder ein taubes Gefühl im Reitbereich?
Patient/inNein, gar nicht.
Blasen- und Mastdarmstörung sowie Reithosenanästhesie verneint
Diese Frage ist Pflicht und muss laut in der Vorstellung vorkommen. Sie schließt das Kaudasyndrom aus — den einzigen Notfall dieses Krankheitsbildes.
Ärztin/ArztSind Sie beim Gehen unsicherer geworden, oder haben Sie Beschwerden in den Beinen?
Patient/inNein.
keine Gangunsicherheit, keine Beinsymptomatik — kein Hinweis auf Myelopathie
Bei einem Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule muss die Rückenmarkbeteiligung ausgeschlossen werden. Gangunsicherheit und Beinsymptome sind die Warnzeichen.
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber, Nachtschweiß oder ungewollt Gewicht verloren?
Patient/inNein, nichts davon.
B-Symptomatik verneint — keine Hinweise auf Infektion oder Malignom
Diese drei Fragen sind die roten Flaggen. Nennen Sie sie in der Vorstellung ausdrücklich als verneint — das zeigt, dass Sie gezielt ausgeschlossen haben.
Ärztin/ArztWaren Sie damit schon beim Arzt?
Patient/inVor zwei Wochen. Mein Hausarzt hat Ibuprofen 600 verschrieben, morgens und abends. Es hilft ein bisschen, aber nicht genug.
Ibuprofen 600 mg 1-0-1 seit 2 Wochen, unzureichende Wirkung
Patient/inMuss ich operiert werden? Meine Kollegin hatte das, und danach ging es ihr schlechter.
Ärztin/ArztIch verstehe die Sorge. Die gute Nachricht ist: Die meisten Bandscheibenvorfälle an der Halswirbelsäule heilen ohne Operation aus — das Gewebe schrumpft mit der Zeit von selbst. Deshalb behandeln wir zuerst konservativ, also mit Schmerzmitteln und Krankengymnastik. Operiert wird nur, wenn eine deutliche Lähmung auftritt, wenn das Rückenmark bedrängt wird oder wenn die Schmerzen über Wochen trotz guter Behandlung nicht nachlassen. Ihre Kraft in der Hand schaue ich mir jetzt genau an — davon hängt es mit ab.
Die Angst vor der Operation ernst nehmen und die Reihenfolge erklären: erst konservativ, dann prüfen. Und die Bedingungen nennen, unter denen doch operiert wird.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (3 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (3 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (3 Gesprächszüge)
Familienanamnese (1 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (4 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Anke Kayser vor, eine 51-jährige Patientin, 1,72 m groß und 75 kg schwer, bei einem BMI von 25,4 kg/m². Sie stellte sich heute in unserer Ambulanz vor.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Wie ist eine Bandscheibe aufgebaut?
Aus einem äußeren Anulus fibrosus aus straffem Faserknorpel und einem inneren, wasserreichen Nucleus pulposus, dem Gallertkern. Die Bandscheibe wirkt als Stoßdämpfer und ermöglicht die Beweglichkeit zwischen den Wirbelkörpern. Sie ist beim Erwachsenen gefäßfrei und ernährt sich durch Diffusion über die Grund- und Deckplatten, was durch Be- und Entlastung im Wechsel gefördert wird. Mit dem Alter nimmt der Wassergehalt ab — daher die Degeneration.
Die Ernährung durch Diffusion erklärt gleich zwei Dinge: warum Bewegung guttut und warum Rauchen schadet. Bauen Sie das ein.
Was unterscheidet Protrusion und Prolaps?
Bei der Protrusion, der Vorwölbung, ist der Anulus fibrosus intakt; das Bandscheibengewebe wölbt sich lediglich vor. Beim Prolaps, dem Vorfall, ist der Anulus durchgerissen und Nucleus-pulposus-Gewebe tritt aus. Löst sich dieses Gewebe vollständig ab und liegt frei im Spinalkanal, spricht man vom Sequester. Entscheidend für die Beschwerden ist nicht die Größe, sondern ob eine Nervenwurzel oder das Rückenmark bedrängt wird.
Der Schlusssatz ist der wichtigste: Die Größe im MRT sagt wenig, die Klinik entscheidet.
Welche Segmente sind am häufigsten betroffen?
An der Lendenwirbelsäule, wo etwa 90 % aller Bandscheibenvorfälle auftreten, sind es L4/L5 und L5/S1. An der Halswirbelsäule sind es C5/C6 und C6/C7. Der Grund ist die größte mechanische Belastung an den Übergängen zwischen beweglichen und weniger beweglichen Abschnitten. Die Brustwirbelsäule ist wegen der Stabilisierung durch den Brustkorb selten betroffen.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Welche Wurzel ist hier betroffen, und woran erkennen Sie das?
Und an der Lendenwirbelsäule?
Welche Tests kennen Sie?
Was ist das Kaudasyndrom?
Welche Warnzeichen kennen Sie bei Rückenschmerzen?
Wann und welche Bildgebung?
Wie behandeln Sie konservativ?
Wann operieren Sie?
Was ist eine zervikale Myelopathie?
Was raten Sie zur Vorbeugung?
Die Patientin ist Schwimmmeisterin. Was folgt daraus?
Wie erklären Sie der Patientin den Bandscheibenvorfall in einfacher Sprache?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Bandscheibe
Discus intervertebralis
Anatomie
Gallertkern der Bandscheibe
Nucleus pulposus
Anatomie
Faserring der Bandscheibe
Anulus fibrosus
Anatomie
Wirbel
Vertebra
Anatomie
Halswirbelsäule
Halswirbelsäule (HWS)
Anatomie
Lendenwirbelsäule
Lendenwirbelsäule (LWS)
Anatomie
Rückenmark
Medulla spinalis
Anatomie
Nervenwurzel
Radix nervi spinalis
Anatomie
Pferdeschweif der Nervenwurzeln
Cauda equina
Anatomie
Wirbelkanal
Spinalkanal
Anatomie
Nervenaustrittsloch
Foramen intervertebrale
Anatomie
Hinterhauptsbereich
Regio occipitalis
Anatomie
zur Speiche hin gelegen
radial
Anatomie
Bizepsmuskel des Oberarms
Musculus biceps brachii
Anatomie
Bandscheibenvorfall
Diskusprolaps
Diagnose
Vorwölbung der Bandscheibe
Protrusion
Diagnose
freies Bandscheibenfragment
Sequester
Diagnose
Nacken-Arm-Schmerz
Zervikobrachialgie
Symptom
von der Nervenwurzel ausgehend
radikulär
Befund
Hautgebiet einer Nervenwurzel
Dermatom
Anatomie
Leitmuskel einer Nervenwurzel
Kennmuskel
Untersuchung
Verschleiß der Wirbelgelenke
Spondylarthrose
Diagnose
Verengung des Wirbelkanals
Spinalkanalstenose
Diagnose
Rückenmarkschädigung
Myelopathie
Diagnose
Nervenwurzelreizung
Radikulopathie
Diagnose
Entzündung von Bandscheibe und Wirbelkörper
Spondylodiszitis
Diagnose
Rückenschmerz im Lendenbereich
Lumbalgie
Symptom
Hexenschuss
Lumbago
Symptom
Kreuzschmerz mit Ausstrahlung ins Bein
Lumboischialgie
Symptom
Nackenschmerz
Zervikalgie
Symptom
Gefühlsminderung
Hypästhesie
Symptom
Kribbeln, Missempfindung
Parästhesie
Symptom
Lähmung
Parese
Symptom
vollständige Lähmung
Plegie
Symptom
Muskelschwund
Atrophie
Befund
Gefühlsstörung im Bereich von Gesäß und Damm
Reithosenanästhesie
Befund
Muskeleigenreflex
Muskeleigenreflex (MER)
Untersuchung
Bizepssehnenreflex
BSR
Untersuchung
Achillessehnenreflex
ASR
Untersuchung
Patellarsehnenreflex
PSR
Untersuchung
Zeichen der Pyramidenbahnschädigung
Babinski-Zeichen
Untersuchung
Nervendehnungszeichen am Bein
Lasègue-Zeichen
Untersuchung
Nervenwurzelreiztest an der Halswirbelsäule
Spurling-Test
Untersuchung
elektrisierendes Gefühl bei Nackenbeugung
Lhermitte-Zeichen
Untersuchung
Kernspintomographie
Magnetresonanztomographie (MRT)
Untersuchung
Messung der Nervenleitgeschwindigkeit
Elektroneurographie
Untersuchung
Muskelstrommessung
Elektromyographie (EMG)
Untersuchung
Entfernung von Bandscheibengewebe
Nukleotomie, Diskektomie
Therapie
Versteifung zweier Wirbel
Fusion, Spondylodese
Therapie
Entlastung des Nervs
Dekompression
Therapie
Spritze an die Nervenwurzel
periradikuläre Therapie (PRT)
Therapie
Bewegungstherapie
Physiotherapie
Therapie
Streckbehandlung
Traktion
Therapie
muskelentspannendes Mittel
Muskelrelaxans
Pharmakologie
Mittel gegen Nervenschmerz
Antikonvulsivum (Gabapentin, Pregabalin)
Pharmakologie
FSP Niedersachsen
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.