FSP-Fälle

Fall: Erster epileptischer Anfall

Diagnose: Erstmaliger generalisierter tonisch-klonischer Anfall

Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 19 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 11 Prüferfragen und 22 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.

Teil 1: Anamnesegespräch

Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.

Personalien

Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte?
Patient/inDaniel Warnke.
Daniel Warnke
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren? Größe und Gewicht?
Patient/in6. Juli 1991. 1,85 m, 82 Kilo.
geb. 06.07.1991, 34 Jahre, 1,85 m, 82 kg (BMI 24,0 kg/m²)

Aktuelle Beschwerden

Ärztin/ArztWas ist passiert?
Patient/inIch weiß es selbst nicht genau. Meine Freundin sagt, ich sei heute früh im Bad plötzlich umgefallen und hätte am ganzen Körper gekrampft.
generalisierter Krampfanfall heute früh, fremdanamnestisch durch die Partnerin
Beim Krampfanfall ist die Fremdanamnese unverzichtbar — der Patient selbst hat keine Erinnerung an das Ereignis.
Ärztin/ArztHat Ihre Freundin beschrieben, wie der Anfall ablief?
Patient/inSie sagt, ich sei zuerst ganz steif geworden, dann hätten Arme und Beine rhythmisch gezuckt. Etwa zwei Minuten lang.
Ablauf: tonische Phase, danach klonische Phase, Dauer ca. 2 Minuten
Die zweiphasige Abfolge tonisch-klonisch ist charakteristisch. Lassen Sie den Ablauf genau schildern.
Ärztin/ArztHaben Sie sich auf die Zunge gebissen? Waren Sie eingenässt?
Patient/inDie Zunge tut seitlich weh, ja. Und die Hose war nass.
lateraler Zungenbiss, Einnässen
Der seitliche Zungenbiss ist deutlich spezifischer als ein Biss an der Zungenspitze — fragen Sie nach der Stelle.
Ärztin/ArztWie ging es Ihnen danach?
Patient/inIch war völlig verwirrt und wusste eine Weile nicht, wo ich bin. Danach habe ich zwei Stunden geschlafen und hatte Muskelkater überall.
postiktale Phase mit Verwirrtheit, Terminalschlaf ca. 2 h, generalisierter Muskelkater
Die postiktale Phase ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal zur Synkope. Immer erfragen.
Ärztin/ArztHatten Sie vorher ein besonderes Gefühl — einen Geruch, ein Aufsteigen aus dem Bauch, ein Déjà-vu?
Patient/inJetzt wo Sie es sagen — mir war kurz vorher komisch im Magen, so ein Aufsteigen. Das hatte ich in den letzten Monaten schon ein paar Mal.
epigastrische Aura vor dem Anfall, ähnliche Episoden bereits in den Vormonaten
Die Aura verrät den Ursprungsort. Ein epigastrisches Aufsteigen spricht für einen Fokus im Temporallappen.
Ärztin/ArztWie haben Sie in den letzten Tagen geschlafen? Und gab es etwas Besonderes?
Patient/inIch habe seit zwei Wochen kaum geschlafen, wir haben Projektabgabe. Und am Wochenende war eine Party mit viel Alkohol, danach kaum Schlaf.
ausgeprägter Schlafentzug seit 2 Wochen; Alkoholexzess am Wochenende
Schlafentzug und Alkohol sind die häufigsten Gelegenheitsursachen. Ohne diese Frage fehlt Ihnen der Auslöser.
Ärztin/ArztHatten Sie in letzter Zeit Kopfverletzungen? Fieber? Kopfschmerzen?
Patient/inNein, nichts davon.
kein Schädel-Hirn-Trauma, kein Fieber, keine Cephalgie
Damit prüfen Sie auf strukturelle und entzündliche Ursachen — Blutung, Tumor, Meningoenzephalitis.
Ärztin/ArztNehmen Sie Drogen? Und trinken Sie sonst regelmäßig Alkohol?
Patient/inAm Wochenende manchmal Kokain. Alkohol eher am Wochenende, aber dann viel.
Kokainkonsum gelegentlich am Wochenende; Binge-Trinken am Wochenende
Kokain senkt die Krampfschwelle erheblich. Die Drogenanamnese ist hier diagnostisch entscheidend, nicht nur Formsache.
Patient/inHabe ich jetzt Epilepsie? Und darf ich noch Auto fahren?
Ärztin/ArztEin einzelner Anfall ist noch keine Epilepsie — gerade wenn es klare Auslöser gab wie Schlafmangel und Alkohol. Wir klären jetzt mit Untersuchungen, ob eine Ursache dahintersteckt. Beim Autofahren muss ich aber deutlich sein: Nach einem Anfall dürfen Sie zunächst nicht fahren. Wie lange, hängt vom Ergebnis ab, und das besprechen wir dann in Ruhe.
Zwei Fragen, zwei klare Antworten. Beim Fahrverbot nicht ausweichen — es ist rechtlich und für den Patienten wesentlich.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: Patientenvorstellung

Vorstellung des Patienten

Ich stelle Ihnen Herrn Daniel Warnke vor, einen 34-jährigen Patienten, 1,85 m groß und 82 kg schwer, bei einem BMI von 24,0 kg/m². Er wurde heute nach einem beobachteten Krampfanfall mit dem Rettungsdienst gebracht und ist bei Aufnahme wach und orientiert.

Den aktuellen Bewusstseinszustand nennen. Bei einem Anfallspatienten ist das die erste relevante Information.

In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.

Teil 3: Prüferfragen

Wann sprechen Sie von einer Epilepsie?
Nach der Definition der ILAE bei zwei unprovozierten Anfällen im Abstand von mehr als 24 Stunden, oder bereits nach einem unprovozierten Anfall, wenn das Rezidivrisiko über die nächsten zehn Jahre bei mindestens 60 Prozent liegt — etwa bei nachgewiesener struktureller Läsion oder epilepsietypischen Potentialen im EEG, oder bei Vorliegen eines definierten Epilepsiesyndroms. Ein Gelegenheitsanfall mit klarem Auslöser begründet dagegen keine Epilepsie.
Die Unterscheidung provoziert gegen unprovoziert ist der Kern und entscheidet über die Therapie.
Wie unterscheiden Sie den Anfall von einer Synkope?
Für den Anfall sprechen die Aura, der laterale Zungenbiss, das Einnässen, eine Dauer über eine Minute, der zweiphasige tonisch-klonische Ablauf, die zyanotische Gesichtsfarbe und vor allem die ausgeprägte postiktale Phase mit Verwirrtheit und Terminalschlaf. Für die Synkope sprechen Prodromi, Blässe, kurze Dauer und rasche vollständige Reorientierung. Laborchemisch stützt eine erhöhte CK oder ein erhöhtes Prolaktin kurz nach dem Ereignis den Anfall.
Die postiktale Phase ist das trennschärfste Merkmal — betonen Sie sie.
Wie werden epileptische Anfälle eingeteilt?
Nach der ILAE-Klassifikation in fokale Anfälle — mit erhaltenem oder gestörtem Bewusstsein, motorisch oder nicht-motorisch beginnend, gegebenenfalls mit Übergang in einen bilateral tonisch-klonischen Anfall —, in generalisierte Anfälle wie tonisch-klonisch, Absencen, myoklonisch, atonisch oder tonisch, sowie in Anfälle mit unbekanntem Beginn.
Der frühere Begriff „sekundär generalisiert“ heißt heute „fokal zu bilateral tonisch-klonisch“. Die neue Bezeichnung zu kennen wirkt aktuell.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):

Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall

DeutschFachspracheBereich
Krampfanfallepileptischer Anfall, KonvulsionDiagnose
AnfallsleidenEpilepsieDiagnose
Versteifung der MuskulaturtonischBefund
rhythmische ZuckungenklonischBefund
Vorgefühl vor einem AnfallAuraSymptom
Schlaf nach dem AnfallTerminalschlafBefund
anhaltender AnfallszustandStatus epilepticusDiagnose
kurze BewusstseinspauseAbsenceSymptom
auf eine Region begrenztfokalBefund
das ganze Gehirn betreffendgeneralisiertBefund
SchläfenlappenTemporallappenAnatomie
Hirnhaut- und GehirnentzündungMeningoenzephalitisDiagnose
Nackensteifigkeit als HirnhautreizzeichenMeningismusBefund
Entnahme von NervenwasserLumbalpunktionUntersuchung
Messung der HirnströmeElektroenzephalographie (EEG)Untersuchung
MuskelenzymKreatinkinase (CK)Untersuchung
Blaufärbung von Haut und LippenZyanoseBefund
erniedrigter NatriumspiegelHyponatriämieBefund
krampfhemmendes MittelAntikonvulsivumPharmakologie
fruchtschädigendteratogenPharmakologie
seelisch bedingter Anfall ohne epileptische Aktivitätpsychogener nichtepileptischer AnfallDiagnose
Anfall mit erkennbarem AuslöserGelegenheitsanfallDiagnose

FSP Trainer: Fachsprachprüfung

Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in allen Bundesländern: das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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