Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 32 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 62 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Patient/inIch sitze hier schon seit zwei Stunden und warte.
Ärztin/ArztEs tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten — das ist unangenehm, und ich kann Ihren Ärger gut verstehen. Wir tun unser Bestes, alle Patienten so schnell wie möglich zu versorgen. Ich bin Dr. Yilmaz, die diensthabende Ärztin, und ich nehme mir jetzt Zeit für Sie. Wollen wir beginnen?
Patient/inJa, gut. Rita Cordes.
Rita Cordes
Der Vorwurf zu Beginn ist in Düsseldorf fest eingeplant. Nicht rechtfertigen und nicht überhören: entschuldigen, das Gefühl anerkennen, dann die Gesprächsführung übernehmen.
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/in2. Februar 1955.
geb. 02.02.1955, 70 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie, und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,68 m, knapp 75 Kilo. Warum fragen Sie eigentlich nach Größe und Gewicht?
Ärztin/ArztDaraus berechne ich den Body-Mass-Index. Er hilft mir einzuschätzen, ob das Gewicht ein Risikofaktor für Ihre Beschwerden sein könnte — und er ist wichtig für die Dosierung mancher Medikamente.
1,68 m, 74,6 kg (BMI 26,4 kg/m², Präadipositas)
Diese Rückfrage kommt in Düsseldorf regelmäßig. Antworten Sie mit zwei Gründen: Risikoabschätzung und Medikamentendosierung. Und hier ist das Übergewicht tatsächlich ein Risikofaktor für den Reflux.
Aktuelle Beschwerden
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns, Frau Cordes?
Patient/inGestern Abend hatte ich plötzlich starke Schmerzen hinter dem Brustbein. Eine Stunde lang. Heute wollte ich zu meinem Hausarzt, aber der ist im Urlaub. Ist es in Ordnung, dass ich hergekommen bin?
Ärztin/ArztDas war zweifellos eine gute Entscheidung. Schmerzen hinter dem Brustbein gehören immer abgeklärt. Danke, dass Sie uns Ihre Gesundheit anvertrauen.
Aufnahmegrund: retrosternale Schmerzen gestern Abend, Dauer ca. 1 Stunde; hausärztliche Vorstellung wegen Urlaub nicht möglich
Bestätigen Sie die Entscheidung des Patienten ausdrücklich. In Düsseldorf zählt dieser Satz zur Gesprächsleistung — und bei Thoraxschmerz ist er auch fachlich richtig.
Ärztin/ArztWann genau traten die Schmerzen auf — und was hatten Sie vorher gemacht?
Patient/inKurz nach dem Abendessen. Es gab Bratkartoffeln mit Bratwurst.
Beginn postprandial, kurz nach fettreicher Mahlzeit (Bratkartoffeln, Bratwurst)
Der Zusammenhang mit der Mahlzeit ist hier der wichtigste Hinweis. Fettreiche Speisen senken den Druck des unteren Speiseröhrenschließmuskels und verzögern die Magenentleerung.
Ärztin/ArztWo genau sitzen die Schmerzen, und strahlen sie irgendwohin aus?
Patient/inHinter dem Brustbein. Und es zieht hoch bis in den Hals.
retrosternal, Ausstrahlung in den Hals
Ausstrahlung nach oben in den Hals spricht für den Reflux, Ausstrahlung in den linken Arm eher für das akute Koronarsyndrom. Beide Richtungen aktiv erfragen.
Ärztin/ArztWie fühlt sich der Schmerz an, und wie stark ist er von 1 bis 10?
Patient/inBrennend, in Wellen. Fünf, sechs vielleicht. Heute Morgen war es wieder weg.
Schmerzcharakter brennend, wellenförmig, NRS 5–6/10, seit heute Morgen beschwerdefrei
„Brennend“ ist das Wort, das zur Refluxkrankheit passt; ein drückend-beengender Schmerz würde eher an das Herz denken lassen. Halten Sie den Charakter immer wörtlich fest.
Ärztin/ArztHatten Sie solche Beschwerden schon früher?
Patient/inSeit ungefähr sechs Wochen, ja. Vor allem nachts, drei- bis viermal die Woche, immer etwa eine Stunde. Und es wird eher mehr.
seit 6 Wochen rezidivierend, nachts betont, 3–4×/Woche, Dauer ca. 1 h, progredient
Die nächtliche Betonung ist typisch: Im Liegen fehlt die Schwerkraft, die den Mageninhalt unten hält. Sagen Sie das in der Vorstellung — es begründet zugleich den Therapievorschlag.
Ärztin/ArztGibt es eine Körperlage, in der es besser oder schlechter wird? Etwa beim Bücken, beim Pressen oder im Liegen?
Patient/inIm Liegen wird es schlimmer. Ich schlafe deshalb schon mit zwei Kissen.
Verschlechterung im Liegen, Besserung bei Oberkörperhochlagerung (schläft mit 2 Kissen)
Diese Frage steht in der Düsseldorfer Vorlage unter „Wichtige Fragen“. Die lageabhängige Verschlechterung ist für den Reflux fast beweisend — und die Patientin hat die Therapie schon selbst gefunden.
Ärztin/ArztHaben Sie Sodbrennen? Und einen sauren Geschmack im Mund oder saures Aufstoßen?
Patient/inAlles drei, seit sechs Wochen. Vor allem morgens ist der Geschmack schrecklich.
Pyrosis, Dysgeusie (saurer Geschmack) und saures Ructus seit 6 Wochen
Sodbrennen und saures Aufstoßen sind die beiden Leitsymptome der Refluxkrankheit. Nennen Sie in der Vorstellung beide Fachbegriffe: Pyrosis und Regurgitation.
Ärztin/ArztHaben Sie Schluckbeschwerden — bleibt Essen stecken? Und tut das Schlucken weh?
Patient/inNein, das geht gut.
keine Dysphagie, keine Odynophagie
Das ist die entscheidende Alarmfrage. Schluckstörungen wären ein Warnzeichen und würden zur sofortigen Endoskopie zwingen — bei dieser Patientin mit dem Ösophaguskarzinom des Vaters umso mehr.
Ärztin/ArztHaben Sie Husten, Heiserkeit oder Halskratzen bemerkt?
Patient/inNein, gar nichts.
keine Heiserkeit, kein chronischer Husten
Heiserkeit, Reizhusten und Asthma sind die extraösophagealen Symptome des Refluxes. Danach zu fragen, zeigt, dass Sie die Erkrankung über die Speiseröhre hinaus kennen.
Ärztin/ArztHaben Sie Atemnot? Und haben Sie sich am Brustkorb gestoßen oder verletzt?
Patient/inNein, beides nicht.
keine Dyspnoe, kein Thoraxtrauma
Ärztin/ArztHaben Sie schwarzen Stuhl bemerkt oder Blut erbrochen?
Patient/inNein, nichts dergleichen.
kein Teerstuhl, keine Hämatemesis
Auch das ist eine Alarmfrage: Sie schließt eine Blutung aus einer Refluxösophagitis oder einem Ulkus aus. Alarmzeichen aktiv abzufragen ist bei jedem Refluxfall Pflicht.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (4 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (1 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (2 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien / Unverträglichkeiten (1 Gesprächszüge)
Genussmittel / Drogen (2 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (2 Gesprächszüge)
Familienanamnese (3 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Rita Cordes vor, eine 70-jährige Patientin, 1,68 m groß und 74,6 kg schwer, bei einem Body-Mass-Index von 26,4 kg/m², entsprechend einer Präadipositas. Sie stellte sich heute selbstständig in unserer Notaufnahme vor, nachdem eine hausärztliche Vorstellung urlaubsbedingt nicht möglich war.
Den Body-Mass-Index hier nicht nur als Zahl nennen, sondern einordnen. Bei der Refluxkrankheit ist das Übergewicht ein Auslöser und keine Randnotiz.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Weitere Diagnostik · Therapievorschläge.
Teil 3: Prüferfragen
Was ist eine gastroösophageale Refluxkrankheit?
Der krankhafte Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, der Beschwerden verursacht oder zu Gewebeschäden führt. Ursächlich ist eine Funktionsstörung des unteren Ösophagussphinkters. Man unterscheidet die erosive Form mit sichtbaren Schleimhautdefekten in der Endoskopie — die Refluxösophagitis — von der nicht-erosiven Refluxkrankheit, bei der die Endoskopie trotz typischer Beschwerden unauffällig bleibt.
Die Unterscheidung erosiv und nicht-erosiv ist der Kern der Antwort. Sie erklärt, warum eine normale Magenspiegelung die Diagnose nicht widerlegt.
Welche Faktoren begünstigen den Reflux?
Alles, was den Druck des unteren Ösophagussphinkters senkt oder den Druck im Bauchraum erhöht. Drucksenkend wirken Nikotin, Alkohol, Kaffee, Schokolade, Pfefferminze, fettreiche Speisen sowie Medikamente wie Kalziumantagonisten, Nitrate und Anticholinergika. Den Bauchdruck erhöhen Adipositas, Schwangerschaft, Aszites und enge Kleidung. Weiterhin begünstigend sind die Hiatushernie, eine verzögerte Magenentleerung und das Liegen nach dem Essen.
Zwei Mechanismen, zwei Listen. Diese Ordnung macht aus einer langen Aufzählung eine Erklärung — und die Kalziumantagonisten sind bei dieser Patientin besonders zu erwähnen.
Was ist eine Hiatushernie?
Ein Zwerchfellbruch: Teile des Magens treten durch den Hiatus oesophageus, die Öffnung des Zwerchfells für die Speiseröhre, in den Brustraum. Am häufigsten ist die axiale Gleithernie, bei der Mageneingang und Kardia nach oben rutschen — sie begünstigt den Reflux. Seltener ist die paraösophageale Hernie, bei der der Magenfundus neben der Speiseröhre nach oben tritt; im Extremfall entsteht ein Upside-down-Magen mit der Gefahr der Einklemmung.
Die Gleithernie begünstigt den Reflux, die paraösophageale Hernie droht einzuklemmen. Diese Gegenüberstellung ist die eigentliche Antwort.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Welche Komplikationen der Refluxkrankheit kennen Sie?
Wann führen Sie eine Endoskopie durch?
Was ist eine pH-Metrie?
Wie wirkt ein Protonenpumpenhemmer?
Zu welchen Gruppen gehören Amlodipin und Ramipril?
Welche nicht-medikamentösen Maßnahmen empfehlen Sie?
Was ist eine Fundoplikatio?
Wie unterscheiden Sie den Refluxschmerz vom Herzschmerz?
Welche Rolle spielt Helicobacter pylori?
Wie reagieren Sie auf die Beschwerde über die lange Wartezeit?
Was erklären Sie der Patientin vor der Magenspiegelung?
Was sagen Sie der Patientin über den weiteren Verlauf?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Rückflusskrankheit der Speiseröhre
gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD)
Diagnose
Speiseröhre
Ösophagus
Anatomie
unterer Speiseröhrenschließmuskel
unterer Ösophagussphinkter
Anatomie
Mageneingang
Kardia
Anatomie
Magenkuppel
Fundus
Anatomie
Magenpförtner
Pylorus
Anatomie
Zwerchfell
Diaphragma
Anatomie
Speiseröhrenschlitz im Zwerchfell
Hiatus oesophageus
Anatomie
Zwerchfellbruch
Hiatushernie
Diagnose
Sodbrennen
Pyrosis
Symptom
Aufstoßen
Ructus
Symptom
Zurückfließen von Mageninhalt in den Mund
Regurgitation
Symptom
Geschmacksstörung
Dysgeusie
Symptom
Schluckstörung
Dysphagie
Symptom
schmerzhaftes Schlucken
Odynophagie
Symptom
Heiserkeit
Dysphonie
Symptom
Kehlkopfentzündung
Laryngitis
Diagnose
Entzündung der Speiseröhre
Ösophagitis
Diagnose
Schleimhautdefekt
Erosion
Befund
Geschwür
Ulkus
Befund
Umbau der Speiseröhrenschleimhaut als Krebsvorstufe
Barrett-Ösophagus
Diagnose
Krebsvorstufe
Präkanzerose
Diagnose
Speiseröhrenkrebs
Ösophaguskarzinom
Diagnose
Drüsenkrebs
Adenokarzinom
Diagnose
Schluckstörung durch Erschlaffungsstörung der Speiseröhre
Achalasie
Diagnose
Magenspiegelung
Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD)
Untersuchung
Gewebeprobe
Biopsie
Untersuchung
24-Stunden-Säuremessung in der Speiseröhre
pH-Metrie
Untersuchung
Druckmessung in der Speiseröhre
Ösophagusmanometrie
Untersuchung
Magenkeim
Helicobacter pylori
Diagnose
Ausrottungsbehandlung des Magenkeims
Eradikationstherapie
Therapie
Säureblocker als Magenschutz
Protonenpumpenhemmer
Pharmakologie
Magenmanschette gegen den Rückfluss
Fundoplikatio
Therapie
Verengung des Zwerchfellschlitzes
Hiatoplastik
Therapie
hinter dem Brustbein
retrosternal
Anatomie
Übergewicht (BMI 25–30)
Präadipositas
Diagnose
Fettleibigkeit
Adipositas
Diagnose
Bluthochdruck
arterielle Hypertonie
Diagnose
Kalziumkanalblocker
Kalziumantagonist
Pharmakologie
Hemmstoff des blutdrucksteigernden Enzyms
ACE-Hemmer
Pharmakologie
Reizhusten als Arzneimittelwirkung
ACE-Hemmer-Husten
Pharmakologie
erhöhter Kaliumspiegel
Hyperkaliämie
Diagnose
Schwellung von Haut und Schleimhaut
Angioödem
Diagnose
Wasseransammlung an den Knöcheln
Knöchelödem
Befund
Heuschnupfen
allergische Rhinokonjunktivitis
Diagnose
Niesen
Sternutatio
Symptom
Schlafstörung
Dyssomnie, Insomnie
Symptom
Schlaganfall
Apoplex, Insult
Diagnose
Zuckerkrankheit
Diabetes mellitus
Diagnose
Sprunggelenk
Articulatio talocruralis
Anatomie
Knochenbruch
Fraktur
Diagnose
Behandlung ohne Operation
konservative Therapie
Therapie
Beruhigungsmittel für Untersuchungen
Sedativum
Pharmakologie
örtliche Betäubung
Lokalanästhesie
Therapie
nüchtern
nüchtern (jejunus)
Patientensprache
Durchbruch der Wand
Perforation
Befund
Vitamin-B12-Mangel
Cobalaminmangel
Diagnose
Blutarmut durch Eisenmangel
Eisenmangelanämie
Diagnose
Lymphdrüsenkrebs des Magens
MALT-Lymphom
Diagnose
Magenschleimhautentzündung
Gastritis
Diagnose
Belegzellen der Magenschleimhaut
Parietalzellen
Anatomie
Herzmuskelenzyme
Troponin, Kreatinkinase-MB
Untersuchung
FSP Düsseldorf
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung bei der Ärztekammer Nordrhein (Düsseldorf): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.