Ein vollständiger Übungsfall für die Fachsprachprüfung: 39 Gesprächszüge im Anamnesegespräch, die Vorstellung vor der Kommission, 15 Prüferfragen und 55 Fachbegriffe. Hier die ersten Abschnitte zum Ausprobieren.
Teil 1: Anamnesegespräch
Links fragt die Ärztin, rechts antwortet der Patient. Darunter steht, was davon in den Anamnesebogen gehört.
Personalien
Ärztin/ArztGuten Tag, mein Name ist Dr. Sahin, ich bin Ärztin hier in der Notaufnahme. Wie heißen Sie bitte mit vollem Namen?
Patient/inSvenja Frögl.
Svenja Frögl
Ärztin/ArztWann sind Sie geboren?
Patient/in12. Januar 1973.
geb. 12.01.1973, 51 Jahre
Ärztin/ArztWie groß sind Sie und wie viel wiegen Sie?
Patient/in1,70 m und 82 Kilo.
1,70 m, 82 kg (BMI 28,4 kg/m²)
Bei der Cholelithiasis ist das Gewicht Teil des Risikoprofils. Rechnen Sie den BMI aus — Sie brauchen ihn gleich für die 6-F-Regel.
Aktuelle Anamnese
Ärztin/ArztWas führt Sie zu uns?
Patient/inIch habe furchtbare Schmerzen im Oberbauch. Seit einer knappen Stunde geht es gar nicht mehr.
Aufnahmegrund: akute Oberbauchschmerzen seit ca. 45 min
Ärztin/ArztZeigen Sie mir bitte mit der Hand, wo es wehtut.
Patient/inHier in der Mitte, unter dem Brustbein. Und es zieht nach rechts unter die Rippen.
Schmerz epigastrisch mit Ausstrahlung in das rechte Hypochondrium
Zeigen lassen, nicht nur fragen. Epigastrium mit Ausstrahlung nach rechts subkostal ist das Muster der Gallenkolik.
Ärztin/ArztStrahlt es noch woanders hin?
Patient/inIn den Rücken, rechts. Und in die rechte Schulter.
Ausstrahlung in rechte Schulter und Rücken
Die Ausstrahlung in die rechte Schulter ist der klassische Hinweis auf eine Reizung des Zwerchfells über den Nervus phrenicus. Nennen Sie das, wenn Sie gefragt werden.
Ärztin/ArztWie würden Sie den Schmerz beschreiben?
Patient/inErst kam es in Wellen, wie Krämpfe. Jetzt ist es dauernd da und brennt richtig.
Charakter zunächst kolikartig, jetzt Dauerschmerz
Der Wechsel von der Kolik zum Dauerschmerz ist der wichtigste Satz des Falls: Er spricht für den Übergang von der Cholelithiasis zur Cholezystitis.
Ärztin/ArztWie stark ist der Schmerz auf einer Skala von null bis zehn?
Patient/inJetzt neun. Vorhin, bei den Wellen, vielleicht fünf.
Schmerzstärke aktuell 9/10, zuvor 5/10
Ärztin/ArztWas haben Sie vorher gegessen?
Patient/inWir hatten Frühstück mit Rührei und Käse. Danach fing es an.
Beschwerdebeginn postprandial nach fettreicher Mahlzeit
Die fettreiche Mahlzeit ist der klassische Auslöser: Fett setzt Cholezystokinin frei, die Gallenblase kontrahiert gegen den Stein. Diesen Mechanismus können Sie in der Vorstellung erklären.
Ärztin/ArztHatten Sie so etwas schon einmal?
Patient/inJa, seit drei Wochen immer mal wieder. Aber viel schwächer, und es ging von allein weg.
seit 3 Wochen rezidivierende, selbstlimitierende Episoden
Ärztin/ArztHaben Sie Fieber oder Schüttelfrost?
Patient/inGemessen habe ich nicht. Mir ist heiß, und vorhin habe ich gefroren.
Fieber nicht gemessen, subjektives Wärmegefühl und Frösteln
Fieber ist die Weiche zwischen Kolik und Entzündung. Messen Sie selbst und nennen Sie den Wert in der Vorstellung.
Ärztin/ArztIst Ihnen übel, oder haben Sie erbrochen?
Patient/inÜbel ja, sehr. Erbrochen habe ich nicht.
Nausea, kein Vomitus
Ärztin/ArztIst Ihnen an Augen oder Haut eine Gelbfärbung aufgefallen?
Patient/inMein Mann hat heute früh gesagt, meine Augen sehen gelblich aus.
fremdanamnestisch Sklerenikterus
Der Ikterus ist der Befund, der die Choledocholithiasis in den Raum stellt und über die Dringlichkeit der ERCP entscheidet. Fragen Sie immer danach.
Ärztin/ArztWie sehen Urin und Stuhl aus?
Patient/inDer Urin ist dunkel, wie Cola. Der Stuhl war heute ganz hell.
dunkler Urin, entfärbter Stuhl — Hinweis auf Cholestase
Dunkler Urin plus heller Stuhl plus Ikterus ist die Trias der posthepatischen Cholestase. Diese drei zusammen sind ein starker Befund.
Ärztin/ArztJuckt Ihre Haut?
Patient/inJa, seit gestern, überall.
Pruritus seit gestern
Der Juckreiz gehört zur Cholestase — die Gallensäuren lagern sich in der Haut ab. Ein Detail, das die Vorstellung rund macht.
Ärztin/ArztHaben Sie etwas gegen die Schmerzen genommen?
Patient/inNein, gar nichts. Ich habe mich nur hingesetzt, im Liegen ist es schlimmer.
keine Analgesie, lageabhängige Verstärkung im Liegen
Patient/inIst das der Blinddarm? Meine Nachbarin hatte das auch so.
Ärztin/ArztDer Blinddarm ist es sehr wahrscheinlich nicht — der liegt rechts unten im Bauch, Ihre Schmerzen sind aber oben und strahlen in die rechte Schulter aus. Das passt eher zur Gallenblase. Sicher sagen kann ich es Ihnen, wenn ich Sie untersucht habe und wir einen Ultraschall und eine Blutuntersuchung gemacht haben. Beides veranlasse ich sofort.
Die Vermutung des Patienten ernst nehmen und mit einem verständlichen Argument entkräften. Das schafft Vertrauen — und zeigt der Kommission, dass Sie die Lokalisation beherrschen.
Weiter im Gespräch (in der App):
Vegetative Anamnese (5 Gesprächszüge)
Gynäkologische Anamnese (2 Gesprächszüge)
Vorerkrankungen (3 Gesprächszüge)
Voroperationen (1 Gesprächszüge)
Medikamente (2 Gesprächszüge)
Allergien (1 Gesprächszüge)
Noxen (3 Gesprächszüge)
Familienanamnese (2 Gesprächszüge)
Sozialanamnese (3 Gesprächszüge)
Teil 2: Patientenvorstellung
Vorstellung der Patientin
Ich stelle Ihnen Frau Svenja Frögl vor, eine 51-jährige Patientin, 1,70 m groß und 82 kg schwer, bei einem BMI von 28,4 kg/m². Sie stellte sich heute Vormittag in unserer Notaufnahme vor.
In der App folgen: Aktuelle Anamnese · Vorgeschichte · Verdachtsdiagnose · Differentialdiagnosen · Diagnostik · Therapie.
Teil 3: Prüferfragen
Unterscheiden Sie Cholelithiasis, Cholezystitis und Cholangitis.
Cholelithiasis ist das Vorhandensein von Gallensteinen — in der Gallenblase heißt es Cholezystolithiasis, im Hauptgallengang Choledocholithiasis. Die Cholezystitis ist die Entzündung der Gallenblase, meist durch einen im Gallenblasenhals eingeklemmten Stein. Die Cholangitis ist die Entzündung der Gallenwege, meist bei Abflussbehinderung durch einen Stein im Ductus choledochus — sie ist die gefährlichste der drei und kann rasch in eine Sepsis übergehen.
Diese drei Begriffe sauber trennen können ist die Grundvoraussetzung für den ganzen Fall. Üben Sie sie laut.
Welche Risikofaktoren für Gallensteine kennen Sie?
Die klassische Merkregel sind die sechs F: female — weibliches Geschlecht, fat — Adipositas, forty — Alter um vierzig und darüber, fertile — mehrere Schwangerschaften, fair — heller Hauttyp und family — familiäre Häufung. Hinzu kommen rasche Gewichtsabnahme, fettreiche und ballaststoffarme Ernährung, Diabetes mellitus, hämolytische Anämien für Pigmentsteine, Leberzirrhose, Morbus Crohn mit Befall des terminalen Ileums, parenterale Ernährung und Medikamente wie Östrogene, Fibrate und Ceftriaxon. Diese Patientin erfüllt mehrere der sechs F.
Am Ende auf die eigene Patientin beziehen. Eine Merkregel aufzusagen ist wenig; sie anzuwenden ist die Antwort.
Welche Arten von Gallensteinen gibt es?
Etwa 80 % sind Cholesterinsteine oder gemischte Steine; sie entstehen durch ein Missverhältnis von Cholesterin zu Gallensäuren und Lecithin, sodass Cholesterin ausfällt. Etwa 20 % sind Pigmentsteine aus Bilirubinat; sie entstehen bei Hämolyse, bei Leberzirrhose und bei chronischen Infektionen der Gallenwege. Nur ein kleiner Teil der Steine ist im Röntgenbild sichtbar, weil die meisten nicht kalkhaltig sind — deshalb ist die Sonographie das Verfahren der Wahl.
Der Schlusssatz begründet Ihre Diagnostik. Verbinden Sie Pathologie und Vorgehen — das wirkt durchdacht.
Weitere Fragen der Kommission zu diesem Fall (Antworten in der App):
Warum treten die Beschwerden nach fettreichem Essen auf?
Was ist das Murphy-Zeichen?
Was ist das Courvoisier-Zeichen?
Welche Laborwerte erwarten Sie, und was sagen sie Ihnen?
Warum sind Urin dunkel und Stuhl hell?
Wie teilen Sie den Ikterus ein?
Was ist die Charcot-Trias?
Wann und wie operieren Sie?
Was ist eine ERCP, und welche Komplikationen hat sie?
Welche Komplikationen der Cholezystitis kennen Sie?
Beschreiben Sie den Weg der Galle.
Wie klären Sie über die laparoskopische Cholezystektomie auf?
Teil 4: Fachbegriffe zu diesem Fall
Deutsch
Fachsprache
Bereich
Gallenstein
Konkrement
Diagnose
Gallensteinleiden
Cholelithiasis
Diagnose
Steine in der Gallenblase
Cholezystolithiasis
Diagnose
Steine im Hauptgallengang
Choledocholithiasis
Diagnose
Gallenblasenentzündung
Cholezystitis
Diagnose
Gallenwegsentzündung
Cholangitis
Diagnose
Gallestau
Cholestase
Diagnose
Bauchspeicheldrüsenentzündung
Pankreatitis
Diagnose
Bauchfellentzündung
Peritonitis
Diagnose
Gelbsucht
Ikterus
Befund
Gelbfärbung der Lederhaut des Auges
Sklerenikterus
Befund
entfärbter Stuhl
acholischer Stuhl
Befund
Juckreiz
Pruritus
Symptom
Gallenblase
Vesica biliaris
Anatomie
Gallenblasengang
Ductus cysticus
Anatomie
Hauptgallengang
Ductus choledochus
Anatomie
Bauchspeicheldrüsengang
Ductus pancreaticus
Anatomie
Mündung von Gallen- und Pankreasgang
Papilla Vateri
Anatomie
Schließmuskel an der Papille
Sphincter Oddi
Anatomie
Leber
Hepar
Anatomie
Zwölffingerdarm
Duodenum
Anatomie
Bauchspeicheldrüse
Pankreas
Anatomie
Oberbauch, Magengrube
Epigastrium
Anatomie
rechter Oberbauch unter dem Rippenbogen
rechtes Hypochondrium
Anatomie
Zwerchfellnerv
Nervus phrenicus
Anatomie
krampfartiger Schmerz
Kolik
Symptom
nach dem Essen
postprandial
Befund
Übelkeit
Nausea
Symptom
Erbrechen
Vomitus, Emesis
Symptom
Sodbrennen
Pyrosis
Symptom
Verstopfung
Obstipation
Symptom
Appetitlosigkeit
Inappetenz
Symptom
Bauchdeckenspannung
Abwehrspannung, Défense musculaire
Befund
Loslassschmerz
Loslassschmerz
Befund
Schmerz bei tiefer Einatmung unter dem rechten Rippenbogen
Murphy-Zeichen
Untersuchung
schmerzlos tastbare Gallenblase bei Ikterus
Courvoisier-Zeichen
Untersuchung
Ultraschalluntersuchung des Bauches
Abdomensonographie
Untersuchung
endoskopische Darstellung der Gallenwege
ERCP
Untersuchung
Darstellung der Gallenwege im Kernspin
MRCP
Untersuchung
Einschneiden der Papille
Papillotomie
Therapie
Entfernung der Gallenblase
Cholezystektomie
Therapie
Schlüssellochchirurgie
Laparoskopie
Therapie
offener Bauchschnitt
Laparotomie
Therapie
krampflösendes Mittel
Spasmolytikum
Pharmakologie
Gallenfarbstoff
Bilirubin
Befund
Enzym der Gallenwege
Gamma-GT
Befund
Leberenzyme
Transaminasen (GOT, GPT)
Befund
Bauchspeicheldrüsenenzym im Blut
Lipase
Befund
Blutabbau
Hämolyse
Diagnose
Eiteransammlung in der Gallenblase
Gallenblasenempyem
Diagnose
Gewebsuntergang
Nekrose
Diagnose
Wanddurchbruch
Perforation
Diagnose
verkalkte Gallenblasenwand
Porzellangallenblase
Diagnose
Gebärmutterentfernung
Hysterektomie
Therapie
Fieber, Ikterus und Oberbauchschmerz
Charcot-Trias
Befund
FSP Niedersachsen
Den ganzen Fall und alle weiteren gibt es in der App. Die App für die Fachsprachprüfung in Niedersachsen (Hannover): das Anamnesegespräch mit dem Anamnesebogen daneben, die Patientenvorstellung Block für Block, die Prüferfragen mit kurzen mündlichen Antworten und alle Fachbegriffe in beide Richtungen. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.